Industrie
Neuer Großaktionär erfreut MAN

Der Einstieg des US-Pensionsfonds Invesco beim Münchener MAN-Konzern schürt neue Spekulationen über eine Konsolidierung der Lkw-Branche. Auch VW schaut genau hin.

MÜNCHEN/HAMBURG. Invesco hatte Mitte der Woche bekannt gegeben, 10,42 Prozent der Stimmrechte an dem Dax-Unternehmen übernommen zu haben. Damit sind die Amerikaner hinter dem VW-Konzern, der knapp 30 Prozent hält, zweitgrößter Investor von MAN. „Wir begrüßen das Engagement eines neuen, langfristig orientierten Großaktionärs“, sagte ein MAN-Sprecher. Eine Invesco-Sprecherin in Frankfurt wollte den Schritt nicht weiter kommentieren. Die Amerikaner zählen zu den zehn größten Investmentgesellschaften der USA und haben nach eigenen Angaben 350 Mrd. Dollar unter ihrer Verwaltung. Zu ihren Investments gehören auch Schwergewichte wie Microsoft und Apple.

Der Einstieg der Amerikaner erfolgte am 11. September, der damalige Kurs betrug 57 Euro, Invesco dürfte also rund 800 Mio. Euro für die Anteile bezahlt haben. Die Börse nahm den Schritt gelassen auf. Nachdem die MAN-Aktie zunächst anzog, gaben die Papiere am Nachmittag ihre Gewinne wieder ab.

Ob Invesco auf eine Erholung der Lkw-Konjunktur oder eher auf die Konsolidierung der Branche setzt ist offen. Zuletzt hatte MAN-Aufsichtsratschef und VW-Patriarch Ferdinand Piëch angemahnt, die VW-Beteiligungen MAN und Scania sollten schneller zusammenarbeiten. Volkswagen hält 70 Prozent an Scania und will seine Lkw-Beteiligungen unter dem eigenen Konzerndach zusammenführen. Das neue Konglomerat soll dann gestärkt aus der Krise hervorgehen und dem Weltmarktführer Daimler Paroli bieten.

Der Weg zu diesem Ziel ist aber noch völlig offen. MAN hat sich in den vergangenen Jahren bereits stark auf das Lkw-Geschäft konzentriert und erst im Sommer seine verbliebenen Sparten Dieselmaschinen und Turbopumpen zusammengelegt. Eine Komplettübernahme von MAN durch VW gilt in Branchenkreisen als unwahrscheinlich. Die Wolfsburger müssten für die Münchener sechs Mrd. Euro auf den Tisch legen. Hinzu käme eine teure Vollkonsolidierung von Scania. Erste Priorität für VW hat aber zur Zeit die Übernahme von Porsche.

Daher drängt Volkswagen auf Kooperationen zwischen MAN und Scania. Vor allem in den Bereichen Einkauf, Service und Vertrieb ließe sich viel Geld sparen, sagen Beteiligte. Noch sitze man nicht an einem Tisch, hieß es am Donnerstag in Unternehmenskreisen.

Die miserable Absatzlage dürfte solche Gespräche allerdings befördern. Der Markt für Lkw ist in Europa in den vergangenen 12 Monaten um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Die MAN-Lkw-Sparte hat derzeit 12 000 Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit und wird auch im zweiten Halbjahr an bis zu 60 Tagen gar nicht produzieren. Nutzfahrzeugchef Anton Weinmann schloss in der vergangenen Woche einen Verlust für das laufende Jahr nicht mehr aus.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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