Neuer Großaktionär
Katars Einstieg verwässert ACS-Beteiligung an Hochtief

Im Übernahmekampf um Hochtief deutet sich eine überraschende Wende an: Laut einer Pflichtmitteilung steigt Katar bei dem Baukonzern mit 9,1 Prozent ein. Das erschwert die geplante Übernahme von Hochtief durch ACS. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ´lobt sich derweil selbst für seine Haltung in dem Poker.
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HB DÜSSELDORF. Im Abwehrkampf gegen den spanischen Angreifer ACS springt dem Essener Baukonzern Hochtief das Emirat Katar als neuer Großaktionär zur Seite. Damit könnten die Karten im Poker um die Zukunft von Deutschlands größtem Baukonzern neu gemischt werden.

Hochtief teilte am Montag mit, die Qatar Holding LLC als Anteilseigner gewonnen zu haben. Das Investmentunternehmen des Emirats Katar solle 9,1 Prozent am neuen Grundkapital von Hochtief halten. Spekulationen über einen Einstieg des Emirats, das auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ausrichtet und dafür Milliarden-Investitionen in die Stadien und Infrastruktur angekündigt hat, gibt es seit Wochen. Hochtief plant eine strategische Zusammenarbeit mit Katar und schielt auf Aufträge für das Sportgroßereignis. ACS wollte sich zunächst nicht äußern.

Um Qatar Holding ins Boot zu holen, erhöht Hochtief das Grundkapital um rund zehn Prozent. ACS bleibt dabei außen vor - die Kapitalerhöhung wird unter Ausschluss des Bezugsrechts der bestehenden Aktionäre umgesetzt. Der Ausgabepreis je Aktie betrage 57,114 Euro. Damit flössen Hochtief rund 400 Millionen Euro zu. Der Ad-hoc-Ausschuss des Aufsichtsrats - in ihm sitzen keine Vertreter des Großaktionärs ACS - habe der Kapitalerhöhung bereits zugestimmt, hieß es.

Hochtief betont, dass der Einstieg von Katar nichts mit dem Kampf gegen die Übernahme durch den spanischen Wettbewerber ACS zu tun. „Das ist keine Abwehrmaßnahme“, sagte ein Hochtief-Sprecher am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Grund für den Einstieg Katars sei vielmehr die seit langem bestehende Partnerschaft und gemeinsame neue Projekte in dem Emirat. „Das sind gigantische Programme“, sagte der Sprecher. Hochtief und Katar seien über einen Einstieg „seit langem im Gespräch“ gewesen, sagte der Sprecher. Schon jetzt hat der deutsche Baukonzern nach eigenen Angaben fünf Tochterfirmen in dem Emirat.

Hochtief und die Qatar Holding wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen und weitere Bereiche für Kooperationen erkunden. „Wir werden unser Know-how für die Ausrichtung der WM anbieten“, kündigte ein Hochtief-Sprecher an. Der Einstieg Katars sei ein „deutliches Signal an ACS“, hieß es in Finanzkreisen. Mit dem Emirat, das politisch und wirtschaftlich bestens verdrahtet ist, sitze eine neue Partei mit am Tisch.

„Qatar Holding ist der Ansicht, dass Hochtief gut positioniert ist und exzellente Geschäftsaussichten hat“, zitierte Hochtief den Investor. Hochtief ist bereits über fünf Tochtergesellschaften in Katar vertreten und beschäftigt vor Ort mehr als 5000 Mitarbeiter. Projekte sind unter anderem eine mehr als acht Kilometer lange Einkaufs- und Geschäftsstraße in der katarischen Hauptstadt Doha für etwa 1,3 Milliarden Euro. Zudem plant Hochtief seit 2008 als Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Qatar Bahrain Causeway die längste Länderverbindung der Welt. Auch entwickelt Hochtief in einem weiteren Gemeinschaftsunternehmen bis 2020 eine komplett neue Stadt in Katar für 200 000 Menschen. Diese solle dann auch Gastgeberin der Fussball-Weltmeisterschaft 2022 sein.

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  • Clever! Das hätte ich den Hoch-Tief-Leuten nicht zugetraut. Auf diese Weise könnte man das unmoralische Angebot von ACS vielleicht noch umgehen.

    Übrigens ist die jetzige Situation auch eine Folge der EURO-Einführung. Unter normalen Umständen dürfte ein Land wie Spanien und ein Unternehmen wie ACS sich nicht so billig und hoch verschulden können. Das führt dann dazu, dass marode Unternehmen gesunde Konkurrenten aufkaufen können. Der EURO und die künstlich tiefen Zinsen verzerren die Relationen. Leider haben wir in der Politik nur naive Leichtgewichte, die solche Zusammenhänge nicht erkennen oder erkennen wollen.

  • @Georg
    Was heisst denn schon islamisierung deutscher Wirtschaft? in geschäftlichen Dingen haben religiöse Ansichten keinen Platz, ich denke diese Ansicht wird von alle beteiligtenn geteilt, Hochtief und Quatar.
    Diese Verbindung bietet doch gutes Potential, und ist doch tausendmal besser, als von einem bankrotten Unternehmen übernommen zu werden, welches sich anschliessend auf Kosten deutscher Arbeitnehmer gesundsaniert.
    Fragen sie doch mal die Arbeitnehmer, ob sie lieber ihren Job verlieren oder eben kein Schweinefleisch mehr in der Kantine essen wollen...
    Nein, mal im Ernst: Ein Muselmane wird niemals von anderen Glaubensangehörigen verlangen, zu kónvertieren. Das ist so vie ich weiss sogar verboten nach islamischer Vorstellung.

  • Wahre Worte!

    >>> in welchen Verhältnissen befinden wir uns eigentlich, wenn ein spanischer Pleitekonzern anscheinend in der Lage ist, ein grundsolides Unternehmen aus Deutschland aufzukaufen??

    Wenn es solch einen Fall in Frankreich geben würde, käme von Sarkozy sicherlich ein einfaches "Non!" auf die spanische Offerte... Da wäre der Kuchen gegessen!

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