Neuer Konzernchef bei Ford
Raus aus der Warteschleife

Bei Ford ruhen ab sofort alle Hoffnungen auf Alan Mulally. Der langjährige Boeing-Manager soll den angeschlagenen Autokonzern wieder in die Erfolgsspur bringen und bemüht sich bereits fleißig um Aufbruchstimmung.

NEW YORK. Seine Ambitionen, Konzernchef eines traditionsreichen US-Konzerns werden zu wollen, hat der gesellige Alan Mulally stets offen zur Schau getragen: Als er 2005 während der Luftfahrtmesse Paris Airshow zum Champagnerempfang ins noble Boeing-Chalet lädt, erlebt die Branche einen gut gelaunten und mindestens ebenso gut gebräunten Gastgeber: Ein breites Lachen hier, ein kumpelhaftes, fast unanständig festes Schulterklopfen dort: Seht her, hier steht der Favorit auf den vakanten Chefposten bei Boeing, heißt die Botschaft.

Schließlich hat Mulally nach schweren Jahren im zivilen Flugzeugbau einiges vorzuweisen: Die prestigeträchtige und von ihm geleitete Großabteilung macht wieder fette Gewinne und hat die beispiellose Krise nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 zu einer Kernsanierung genutzt. Nach einem Auftragsrekord im Vorjahr sieht das US-Magazin „Business Week“ Mulally gar in der Reihe der „Best Leaders“ – neben so bekannten Industriekapitänen wie Jeff Immelt (General Electric), Steve Jobs (Apple) oder Toyota-Chef Katsuaki Watanabe.

Dass der drahtige, blonde Golfspieler mit dem korrekten Scheitel inzwischen 61 Jahre auf dem Buckel hat, ist ihm kaum anzusehen. Dennoch ist sein Alter ein wesentliches Handicap: Statt Mulally die Nachfolge des über eine außereheliche Affäre gestolperten Boeing-Veterans Harry Stonecipher anzuvertrauen, ernennt das Board im Vorjahr den fünf Jahre jüngeren James Mc Nerney, bislang tätig beim US-Technologiekonzern 3M, zum neuen CEO.

Für den Luftfahrtingenieur Mulally, der zunächst in Seattle und später am neuen Boeing-Hauptsitz Chicago Warteschleifen im Topmanagement dreht, ist das doppelt bitter: Es ist schließlich nicht das erste Mal, das er bei der Chefsuche übergangen wird. Schon als Phil Condit 2003 nach einer Serie von Skandalen seinen Boeing-Chefsessel räumen muss, sieht sich Mulally als Kronprinz im Hause: Doch er muss mit ansehen, wie das Aufsichtsgremium Stonecipher aus dem Ruhestand zurückholt.

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