Neuer Konzernsitz: Fiat zieht nach Holland

Neuer Konzernsitz
Fiat zieht nach Holland

Fiat-Chef Marchionne verlegt den Hauptsitz von Fiat Chrysler in die Niederlande. Die Entscheidung aus steuerlichen Gründen ist eine Ohrfeige für Italien. Auch für die Aktionäre hat der Fiat-Chef keine guten Nachrichten.
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TurinFiat müsste sich eigentlich einen neuen Namen zulegen. Denn der Mutterkonzern der Fabbrica Italiana Automobili Torino ist künftig weder italienisch, noch in Turin beheimatet. Jedenfalls auf dem Papier: Der neue Konzern Fiat Chrysler Automobiles wird seinen rechtlichen Firmensitz in den Niederlanden haben. Die Aktien des Konzerns sollen in New York und Mailand gehandelt werden, wie Fiat am Mittwoch in Turin mitteilte. Die Entscheidung über die Neustrukturierung nach der vollen Fusion von Fiat und Chrysler traf der Verwaltungsrat am bisherigen Firmensitz Turin. Obwohl die Holding künftig in den Niederlanden angesiedelt sein wird, wird ihr Steuersitz in Großbritannien sein. Mit der Konzentration auf den Börsenhandel an der Wall Street, der bis Oktober geplant ist, wird Mailand der Gruppe künftig nur noch als Sekundärmarkt dienen. Auch das neue Logo des Konzerns wurde am Mittwoch präsentiert. Es zeigt in blau die drei Buchstaben „FCA“.

„Mit der Schaffung von Fiat Chrysler Automobiles beginnt ein neues Kapitel unserer Geschichte“, sagte John Elkann, Präsident des Fiat-Verwaltungsrates. „Heute ist einer der wichtigsten Tage in meiner Karriere bei Fiat und Chrysler“, fügte Vorstandschef Sergio Marchionne an. Mit der Verlegung folgt Fiat einem ähnlichen Schritt wie der Schwesterkonzern CNH Industrial, den es nach seiner Umstrukturierung ebenfalls ins Ausland zog. Weitere globale Konzerne wie etwa Airbus, Renault-Nissan und Ikea haben ihren Sitz in den Niederlanden.

Für die Italien ist die Entscheidung eine Ohrfeige. Schon heute schlägt das Herz der italienischen Autoindustrie nur noch schwach. Sehr schwach. Offiziell sind am bisherigen Fiat-Hauptwerk in Mirafiori noch 5.500 Mitarbeiter beschäftigt – zehn Mal weniger als beispielsweise im VW-Hauptwerk. Mit der Absatzkrise der Autobauer in Europa und dem Niedergang von Fiat verkommt die Turiner Vorstadt mehr und mehr zur deindustrialisierten Zone. Eine Entwicklung, die in ganz Italien zu beobachten ist. Die Auslastung der italienischen Werke ist 2013 auf ein Rekordtief gesunken. Die einst stolze Heimat von Alfa Romeo, Lancia und Maserati ist nur noch ein Schatten vergangener Tage.

Dass Fiat trotzdem schwarze Zahlen schreibt, ist nur der starken Tochter Chrysler zu verdanken. Durch die Gewinne seiner inzwischen komplett übernommenen US-Tochter Chrysler kann Fiat im Gesamtjahr einen Nettogewinn von 1,95 Milliarden Euro einfahren - ohne Chrysler hätte Fiat stattdessen ein Verlust von mehr als 400 Millionen Euro ausgewiesen werden müssen. Auch Steuereffekte schönen das Ergebnis.

Der Ausblick sieht dagegen mau aus: Im Gesamtjahr 2014 rechnet der Konzern auch nach der Komplettübernahme von Chrysler nun nur noch mit 3,6 bis 4,0 Milliarden Euro statt bisher mit 4,7 bis 5,2 Milliarden. Auch in diesem Zeitraum hatten sich die Experten mehr versprochen. Die Dividende wurde gleich komplett gestrichen. So solle auch nach dem milliardenschweren Kauf des Autoherstellers aus Detroit die Liquidität von Fiat gesichert werden, hieß es zur Begründung.

Die Auslieferungen von Fiat in Europa sind auch in diesem Jahr um fünf Prozent gesunken. Die Verluste im vergangenen Quartal summieren sich trotz eines strikten Sparprogramms auf 50 Millionen Euro.

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  • Hier rächt sich die zu hohe Staatsquote in einigen EU-Staaten wie I, D, F, S, ....

    Die aufgeblähten Personalstrukturen kosten in diesen Ländern zig- Milliarden EUR jedes Jahr. In D z. B. etwa 200 Mia für die zum grössten Teil völlig über flüssigen Staatsbediensteten, die sich aus egoistischen Gründen einer Privatisierung widersetzen.

    Dass Firmen wie Fiat dann aus I oder Nokia aus D wegen zu hoher Steuern, mit denen diese Schmarotzer bezahlt werden müssen, dann abwandern, ist diesen skrupellosen Staatsbediensteten doch völlig egal.

    Aber hier so zu tun, als ob die Firmenleitungen dies aus Willkür täten, setzt dem Lamentierern unter den Steuerabpressern die Krone auf....

  • Ja, der operativ tätige Konzern bezahlt Lizenzgebühren an die Briefkastenfirma in den Niederlanden, welche wiederum Lizenzgebühren an die Patentholding in Irland oder auf den Bermudas bezahlt. Die Mutter zahlt für die Nutzung der Rechte, wodurch zu Hause der Gewinn in die Knie geht und das Finanzamt schaut in die Röhre. Steuern zahlen nur die kleinen Fische.

  • Arrivederci italienische Autoindustrie. Aber Hauptsache die offiziell NL/EU-geförderte Steuervermeidung im ganz großen Stil bleibt weiterhin möglich. Das ist das real-existierende EU-Europa, das ist Brüssel, das sollte man wissen und überdenken bevor man bei der Europawahl seine Stimme abgibt.

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