Neuer Lebensmittelkonzern
Heiner Kamps hat wieder große Pläne

Wahrscheinlich schon zum Jahreswechsel steht der ehemalige Großbäcker Heiner Kamps erneut in einer eigenen Backstube. Nur noch eine Formsache sei die Übernahme von drei Bäckereiketten in Deutschland und Österreich, sagte eine Sprecherin des Unternehmers. Zudem plant Kamps den Aufbau eines international tätigen Lebensmittelkonzerns.

DÜSSELDORF. Kamps bedient sich dabei einer künftig an der Londoner Börse notierten Kapitalgesellschaft namens Intenational Food Retail Capital (IFRC), die auch die Fischrestaurantkette Nordsee übernehmen soll. Die Nordsee gehört seit 2005 der Beteiligungsgesellschaft Kamps Food Retail Investment (KFRI) an der außer Kamps noch der britische Finanzinvestor ACP Capital und der Milchproduktehersteller Theo Müller (Müllermilch) Anteile besitzen.

Die Firmen Müller-Brot, Anker-Brot und Löwenbrot, die jetzt zur Disposition stehen, befinden sich noch mehrheitlich im Besitz von Klaus Ostendorf, einem alten Bekannten von Kamps. Ostendorf war bis zum Jahr 2000 als Vorstand der Düsseldorfer Kamps AG für das Selbstbedienungsgeschäft des Konzerns verantwortlich. Zuvor hatte er den Aufbau der Großbäckerei Wendeln (Marken: Golden Toast, Lieken Urkorn) und deren Aufstieg zum Marktführer bei SB-Backwaren entscheidend geprägt. Wendeln war 1999 von Kamps übernommen worden.

Während Heiner Kamps nach der Übernahme der Kamps AG durch den italienischen Nudelproduzenten Barilla noch bis Ende letzten Jahres durch ein Wettbewerbsverbot gegenüber den neuen Eigentümern gehandicapt war, hatte Ostendorf schon kurz nach dem Ausscheiden bei der Kamps AG wieder ein umfangreiches Firmenportfolio aus dem Backwarenbereich eingekauft. Zwischendurch zeigte er Barilla, für den sich die Kamps-Übernahme mangels genauer Marktkenntnisse als absolutes Desaster erweisen sollte, sogar die Krallen: Als Vorstand der hauptsächlich in Süddeutschland aktiven Müller-Brot drohte Ostendorf den Italienern mit einer Ausdehnung auf die Region Hamburg/Bremen/Hannover. Noch 2005 hatte er mögliche Verkaufsverhandlungen mit Kamps, der zunächst Barilla das Filialgeschäft mit 900 Geschäften wieder abkaufen wollte, heftig dementiert.

Nach den bisher bekannt gewordenen Plänen sollen die drei Bäckereiketten, die den Großbäcker mit einem Schlag hinter der Kamps AG, Harry-Brot und Edeka auf Rang vier im deutschen Markt katapultieren, zusammen mit der Nordsee den Grundstock für einen Lebensmittelkonzern unter Kamps Führung bilden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, kommen die avisierten Unternehmen zusammen mit den 400 Nordsee-Filialen zunächst nur auf einen Jahresumsatz von 700 Mill. Euro. Große Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé, Kraft Foods oder Danone, beziffern ihre Jahreserlöse hingegen auf einige Milliarden.

Kamps muss aber zunächst beweisen, dass er das Filialgeschäft mit 360 Standorten der Müller-Brot und 180 Outlets der österreichischen Anker-Brot profitabel führen kann. Denn der Markt hat sich verändert. „Die Hersteller unterliegen einem starken Preisdruck und können allgemeine Kostensteigerungen kaum weitergeben“, berichten die Corporate-Finance-Experten der WGZ-Bank. Außerdem machen Discount-Bäckereien mit ihren Selbstbedienungstheken den Filialisten stark zu schaffen.

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