Neuer Opel-Chef
Dr. Neumann auf die Intensivstation, bitte

Der Zustand ist kritisch, die Ärzte lange zerstritten. Der neue Opel-Chef Neumann betreut ab heute den schwierigsten Patienten der europäischen Autobranche. Welche Operationen der Automanager bewältigen muss.
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DüsseldorfWenn ein Patient sich im kritischen Zustand befindet, ist es selten hilfreich, wenn sich die behandelnden Ärzte um die richtige Behandlung streiten.

Im monatelangen Streit um die Sanierung des angeschlagenen Autoherstellers Opel wurde darum ein Waffenstillstand zwischen IG Metall und dem Mutterkonzern General Motors vereinbart, bevor der neue Chef Karl-Thomas Neumann heute sein Amt antritt. Die Einigung ist eine Entlastung, aber keine Entwarnung für Neumann.

Denn der Machtkampf zwischen Gewerkschaften und Mutterkonzern hat Spuren hinterlassen, die Gräben sind unübersehbar. Weiterhin drängen die einen auf eine harte Sanierung, die anderen kämpfen gegen Werksschließungen und für den Zugang zu den Weltmärkten.

Der ehemalige VW-Chinachef Neumann wird auch weiterhin zwischen den Fronten stehen - und vor einer Herkulesaufhabe: Er muss den Autobauer wieder rentabel machen, ohne dass die Beschäftigten auf die Barrikaden gehen. Eine radikale Sanierung scheint nötig, aber unmöglich. Der promovierte Elektrotechniker ist Opels letzte Hoffnung und seine Aufgabe ist eine Operation am offenen Herzen.

„Ich bin nach Rüsselsheim gekommen, weil ich fest davon überzeugt bin: Wir werden es gemeinsam packen“, rief Neumann den Beschäftigten zu. Der im Herbst 2012 von Interims-Chef Thomas Sedran präsentierte Plan "Drive Opel 2022" sei eine sehr gute Basis: „Ich unterstütze ihn voll und ganz - und werde ihn weiter nach vorne treiben.“

Die Ansage aus Detroit ist deutlich: Bis „Mitte des Jahrzehnts“ will der Mutterkonzern wieder Gewinne in Europa schreiben. Bisher ist Opel allerdings noch ein Milliardengrab. Allein 2012 sind die Verluste in Europa auf 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) angewachsen. Die Auslastung der Werke liegt mittlerweile bei 50 Prozent, mit jedem verkauften Auto verliert Opel durchschnittlich 1.000 Euro. Alleine durch Lohnverzicht wird der Autobauer den Weg in die Gewinnzone kaum vollziehen können. Werksschließungen scheinen unumgänglich.

Infografik

Autoabsatz in Europa

nach Herstellern (tsd. Stück)


Deutlich wird das auch am sinkenden Absatz. 2012 hat Opel nur noch 1,05 Millionen Fahrzeuge verkauft, der Marktanteil ist auf 8,5 Prozent gesunken. Rückenwind soll nun eine neue Modellpalette liefern. Kaum ein Hersteller hat in den vergangenen soviel Mut zur Innovation gezeigt wie Opel. Mit dem Kleinwagen Adam und dem Mini-SUV Mokka haben die Rüsselsheimer bereits zwei neue Verkaufsschlager im Programm, das zeigen die Vorbestellungen. Auf dem Automobilsalon in Genf werden weitere Varianten der Erfolgsmodelle präsentiert. Mit dem Van Zafira Tourer stellt das Unternehmen den saubersten Dieselmotor der Unternehmensgeschichte vor. Die Hauptrolle wird das neue viersitzige Cabrio Cascada spielen.

Allerdings bestehen auch auf der Modellseite weiter Risiken, dass der Mutterkonzern die Lust an der Investition verlieren könnte. GM-Vize Stephen Girsky, Neumanns Vorgesetzter, schreckte zuletzt auch nicht davor zurück, bei den Neuentwicklungen zu sparen: Die Neuauflage der Mittelklasselimousine Insignia soll bis 2017 verschoben worden sein, auch Kleinwagen Corsa kommt wahrscheinlich später.

Selbst vom wichtigsten Kompaktwagen des Konzerns gibt es schlechte Nachrichten. Der Astra war zuletzt beim Kundentest durchgefallen, meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. In der "Car Clinic", wie der Test branchenintern genannt wird, befanden die Testkunden, dass das Modell zu eng sei. Nun muss nachgebessert werden. Der Produktionsbeginn, der für Anfang 2015 eingeplant war, soll sich verschieben.

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Vorschusslorbeeren für den Neuen

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  • Das GM- Gewurschtel geht jetzt schon einige Jahrzehnte, aber die studierten hoch bezahlten Manager sind anscheinend nicht in der Lage die Situation zu erkennen, geschweige denn zu verändern.
    Wie es den Menschen geht die für Opel arbeiten, spielt anscheinend keine Rolle. Die stecken sich das Geld so lange ein so lange e´sie es bekommen, Motovation kann da kein Antrieb mehr sein, den hat GM lange und gründlich zerstört.
    Für mich gehen diese Leute als die schlechtesten Manager in die Wirtschaftsgeschichte ein. Wie kann man denn seit 30 Jahren ein Unternehmen führen und aus den Fehler nichts lernen? Man sollte ihnen ihren Studienabschluss wieder weg nehmen und sie am Band wieder neu anfangen lassen.

  • @Pro-D
    Selten so einen Bullshit gelesen, wie ihren...

    Vielleicht sollten sie sich mal informieren, bevor sie hier so einen Mist schreiben!?

    vw hat keineswegs Porsche gerettet, sondern die Politik hat unter anderem mit ihrem Kommunistengesetzt ala vw-gesetz dazubeigetragen, dass Porsche von vw Konzern übernommen wird.

    Porsche hatte über 50% der Aktien an vw, bei jeder anderen Firma hätte man über die Gewinne von vw verfügen können, nur wegen diesem tollen Gesetz (wo übrigens Deutschland von der EU Auflagen bekommen hat es zu ändern) ging das nicht und daher haben wir die Situation jetzt unverdienter weise so wie sie ist :(

    Die Porschemanager waren sehr klever, nur gegen diese Machtintrigen seitens der vw heinis und der Politik waren sie leider chancenlos...

  • Traurig aber wahr. OPEL ist tot ... mausetot, da der Fhrzg. Verkauf leider nur auf beschränkt ist!
    Dr.Neumann wechselt die Jobs wie Unterhosen. Er wird wie für VW in China ... wieder nichts bewegen, außer das Haben auf seinem Privatkonto.

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