Neuer Stada-Chef
Claudio Albrecht plant eigenen Außendienst

Der neue Stada-Chef krempelt das Pharma-Unternehmen um. Im Interview kündigt Claudio Albrecht den Aufbau eines eigenen Außendiensts an – und er will mit den Läusemittel Hedrin in Europa expandieren.
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DüsseldorfStada will Produkte künftig nicht nur über Apotheken sondern auch über Kliniken vertreiben. Dafür baut der Pharmakonzern einen eigenen Außendienst auf. Das sagte Stada-Chef Claudio Albrecht der WirtschaftsWoche. Hintergrund ist, dass Stada künftig auch Biosimilars - nachgemachte biologische Medikamente – verkaufen will, die teilweise auch in Krankenhäusern zum Einsatz kommen. Laut Albrecht wird dadurch eine dreistellige Zahl an Arbeitsplätzen geschaffen. Der neue Stada-Chef, der erst seit wenigen Tagen im Amt ist, kündigte zudem an, keine Stellen zu streichen: „Ich strebe derzeit keinen Personalabbau an, weder in Deutschland noch anderswo“, sagt er in dem Interview. Freiwerdende Stellen sollten künftig bevorzugt intern besetzt werden, so Albrecht.

Auch beim Produktportfolio hat Albrecht bereits wichtige Entscheidungen getroffen. Zu einem Top-Produkt soll das Läusemittel Hedrin avancieren: „Hedrin wird das erste Produkt sein, das wir in allen wichtigen europäischen Märkten einführen“, sagte Albrecht dem Magazin, „bei Kopfläusen ist die Konkurrenz nicht so groß, und in allen Ländern legen Eltern Wert auf ein Mittel, das schnell und anwenderfreundlich wirkt.“ Das Sonnenschutzmittel Ladival, dessen Markenrechte der frühere Vorstand vor Jahren an einen früheren Investmentbanker verkauft hatte, will Albrecht offensichtlich zurückkaufen: „Ich bezweifle, dass ich die Marke verkauft hätte. Ich sehe ihre Zukunft bei Stada.“ Den dubiosen Verkauf der Markenrechte an Ladival, über den die WirtschaftsWoche vor einigen Wochen exklusiv berichtet hatte, will Albrecht weiter untersuchen.

Ebenfalls will der neue Chef Vorwürfen über Verfehlungen früherer Manager nachgehen. So sollen etwa Beraterhonorare ohne Gegenleistung gezahlt worden sein. „Wir werden alles vertrauensvoll mit dem Aufsichtsrat aufarbeiten und nichts unter den Tisch kehren“, verspricht Albrecht. Im Einzelfall will er jedoch abwägen: „Bei sehr geringfügigen Verstößen sind die Kosten für Verfahren schnell höher als der Schaden selbst.“ Hinweise auf kriminelle Handlungen von Ex-Managern habe es bislang nicht gegeben.

Stada gehört inzwischen mehrheitlich den Finanzinvestoren Bain und Cinven. Das Unternehmen setzt mehr als zwei Milliarden Euro um und beschäftigt weltweit 11.000 Mitarbeiter.

Jürgen  Salz
Jürgen  Salz
Wirtschaftswoche / Redakteur

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