Neuer Vorstandschef
Continental nimmt wieder Fahrt auf

Alan Hippe zeigt sich in der Stunde seiner Niederlage als großer Verlierer. Der Finanzvorstand muss sich mit dem Posten als Conti-Vize bescheiden, sein interner Rivale Karl-Thomas Neumann erklimmt das Ruder. Und wie reagiert Hippe? "Wir müssen die Segel hissen und wieder Fahrt aufnehmen", sagt der 41-Jährige.

Zumindest vorerst ist dem Aufsichtsrat des Hannoveraner Dax-Konzerns die Einbindung der beiden wichtigsten Manager des Konzerns gelungen. Das war nach dem durch die Schaeffler-Übernahme unumgänglich gewordenen Weggang von Vorstandschef Manfred Wennemer die entscheidende Aufgabe der 20 Kontrolleure, die zuletzt nicht immer eins waren. Nach der Blockade der vergangenen sechs Wochen muss das Geschäft wieder im Vordergrund stehen.

Technikvorstand Neumann übernimmt erwartungsgemäß das Kommando. "Zwei Sieger und zwei dramatische Beförderungen an Einfluss, Respekt und Anerkennung", konstatierte Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg.

Die jetzt gefundene Lösung hat viel für sich. Neumann muss mit der Integration von VDO und der Restrukturierung des kriselnden Bereiches Powertrain die größten Baustellen angesichts der Probleme in der Autobranche schnell beseitigen. Gleichzeitig bündelt der 47-Jährige mit Fahrzeugelektronik, Hybrid- und Elektroantrieben die Trends der Zukunft in seinen Kompetenzbereichen. Der sachliche neue Mann hat sich in der Schlacht mit Schaeffler nicht den Mund verbrannt. Schaeffler-Boss Jürgen Geißinger und er schätzen sich, von Grünberg und Neumann verbindet ein enges Verhältnis.

Conti verliert mit Wennemer einen herausragenden Manager. Auch noch Hippe zu ersetzen, der zukünftig die Autoreifensparte und Conti-Tech führen wird, wäre kurzfristig schwierig gewesen. Zumal ein neuer Finanzchef erst in den nächsten Wochen an Bord gehen wird.

Und der Abgang von Wennemer? Mit dem 60-Jährigen verlässt einer der "absolut erfolgreichsten Chefs" die Continental AG, sagte Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg mit belegter Stimme. "Und ich wünschte, es wäre nicht so." Der alte Fuchs von Grünberg kämpfte mit seiner Fassung, als er das Übernahmeopfer Wennemer lobte. Beiden seien die in die Öffentlichkeit geratenen Differenzen in den "strapazenreichen letzten Tagen" peinlich. Zwischen Aufsichtsrats- und Vorstandschef "passte jahrelang keine Bild-Zeitung", führte von Grünberg aus. Die Trennung sei die Konsequenz des "Einstiegs eines Großinvestors".

Der Nebel hat sich gelichtet. Klar ist nun, wer bei Conti das sagen hat: Schaeffler. Klar ist auch, wer das operative Geschäft führt: Neumann. Geißinger war klug beraten, sich nicht direkt in die Führung von Conti einzumischen.

Die neue Armada aus Conti und Schaeffler hat nun gute Voraussetzungen, die Segel erfolgreich zu hissen. Bei allem Zwielicht seiner Rolle zwischen Conti und Schaeffler: Von Grünberg ist es schnell gelungen, die eigenen Reihen zu schließen. Und die Richtung steht fest: Volle Kraft voraus.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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