Neuer VW-Chef Matthias Müller

Piëchs Favorit beerbt Winterkorn

Matthias Müller war einst der Kandidat, den sich Ferdinand Piëch an der VW-Spitze gewünscht hat. Jetzt wird er tatsächlich Nachfolger von Martin Winterkorn. War das Piëchs Werk? Und: Wer ist der neue Mann an der Spitze?
Update: 24.09.2015 - 20:03 Uhr 13 Kommentare

Porsche-Boss Müller wird neuer VW-Chef

Mit seinen Aussagen zur Verantwortung der Wirtschaft in der Flüchtlingsfrage sorgte er kürzlich für Aufsehen. „Es ist an der Zeit, dass Wirtschaftslenker zu bestimmten Dingen ihre Meinung sagen. Wir müssen uns Extremismus entgegenstellen und Haltung zeigen“, hatte Müller in der „Süddeutschen Zeitung“ gefordert. Damit bezog der 62-Jährige als erster deutscher Topmanager öffentlich Stellung zu einem Sujet, bei dem sich die Wirtschaftselite bislang ansonsten eher kleinlaut gab.

Müller als großer Impulsgeber einer politischen Debatte über gesellschaftliche Verantwortung? Das wäre vielleicht etwas überhöht. Aber immerhin zeigt der künftige Vorstandschef von Volkswagen Selbstbewusstsein. Zwei Eigenschaften zeichnen ihn außerdem aus: Loyalität und Gradlinigkeit.

Nach Handelsblatt-Informationen haben sich die Mitglieder des Aufsichtsrats-Präsidiums am Donnerstag Nachmittag auf Müller als Nachfolger des zurückgetretenen Martin Winterkorn geeinigt. Am Freitag soll die Personalie offiziell verkündet werden. Am Vormittag trifft sich der 20-köpfige Aufsichtsrat von Volkswagen, um die Spitzenposition im Konzern endgültig zu bestätigen. Am frühen Nachmittag wird mit der offiziellen Verkündung gerechnet. Seit dem Jahr 2010 führt er den Sportwagenbauer Porsche, der unter ihm von Rekord zu Rekord eilte.

Seine persönliche Betroffenheit ist nicht gespielt, wenn er sagt: „Ich wünsche jedem Menschen auf der Welt, dass er einmal am Tag warm essen und ruhig schlafen kann. Kein Mensch gibt doch freiwillig und leichten Herzens seine Heimat auf.“ Müller, selbst ein Flüchtlingskind, weiß, wovon er spricht. Sein Vater war Rennleiter beim Autohersteller DKW in den 1950er-Jahren. Der Sohn begleitete ihn als kleiner Junge zu den Rennen auf dem Sachsenring.

Nahe Chemnitz geboren, siedeln seine Eltern wenig später mit dem Sohn nach Bayern um. Keine einfache Zeit für Müller. Aber er liebt den Sport, verschafft sich so Respekt bei seinen Altersgenossen und gewöhnt sich den bayerischen Dialekt im Laufe der Jahre so gut an, dass ihn heute jeder für einen waschechten Bajuwaren hält.

Von klein auf muss Müller sich anpassen und gleichzeitig durchsetzen. Keine schlechte Mischung, um später im Berufsleben, insbesondere im stark hierarchisch geprägten Volkswagen-Konzern, voranzukommen.

Nach dem Abitur lernt er zunächst Werkzeugmacher bei Audi, studierte dann an der Fachhochschule München Informatik. Im Jahr 1977 kehrt er zu Audi zurück. Dort arbeitet er sich rasch hoch. Ab 1995 koordiniert Müller die Planung sämtlicher Baureihen und wird mitverantwortlich für den Kleinwagen A2, der mit seiner Aluminiumkarosserie zwar innovativ war, sich aber nur schlecht verkaufte. "Dabei habe ich viel gelernt, besonders was das Timing von Produkten im Markt anbelangt", sagt Müller heute. Im Jahr 2003 steigt er unter dem damaligen Audi-Chef Martin Winterkorn zum Chefkoordinator auf.

Nie aktiv um Positionen bemüht
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13 Kommentare zu "Neuer VW-Chef Matthias Müller: Piëchs Favorit beerbt Winterkorn"

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  • Dieselgate
    Winterkorn ist bei VW weg, bleibt aber weiterhin bei der Porsche SE.
    Auch bleibt er Aufsichtsratsvorsitzender bei Audi.

    Jetzt soll es Matthias Müller den Sauhaufen VW wieder auf Vordermann bringen.
    Das ist ein anspruchsvoller Job!

    Und es sind nicht nur VW-Modelle betroffen, sondern auch Audi, Porsche, Seat, Skoda und Nutzfahrzeuge. Und das nicht nur in den USA sondern auch in Europa.
    Weltweit handelt es sich um ca. 11 Millionen Fahrzeuge.

    Dieselgate ist schon seit über einem Jahr bekannt, aber VW hat das bisher immer geleugnet. Erst als die USA es öffentlich machte, hat VW es zugegeben.

  • So einen Job möchte ich auch gerne mal haben. Ein Haufen Mist machen und dann noch eine saftige Abfindung kassieren, bezahlen müsste Herr Winterkorn dafür, nicht beschenkt werden.

  • Herr Piech sagte einmal im TV : Wir lassen uns nicht anpinkeln ! "

    Jetzt ist VW fünffach angepinkelt !

    1. Der Image von VW ist dahin.

    2. Der Aktienkurs ist um Milliarden von Euro gefallen.

    3. Dem VW Konzern stehen zu mindestens im USA MILLIARDEN von US-DOLLAR an kosten...
    und in andere Kontinente wird man versuchen ebenso Kasse zu machen.

    4.WIEDEKING hat doch gewonnen weil einer von Porsche kommen muss um das Dilemma zu korrigieren. Ein Herr Müller hätte den Laden niemals führen dürfen !!!

    5.Die Verkaufszahlen für VW-Modelle als auch für alle an VW angeschlossene werden zurück gehen und somit ist durch VW selbst die eigene Marktverdrängung eingeleitet worden !

    NA DANN " 5 PUNKTE und 5 STERNE für VW ? "

    Und wenn die VW-Aktie tief genug ist...WANN KOMMT DIE FEINDLICHE ÜBERNAHME ???

  • VW ist wie kein anderer deutscher Automobilhersteller auf den Segen der Politik angewiesen. Und da hat er sich mit seinem "Haltung zeigen" ja noch rechtzeitig eingeschleimt bei den Regierenden. Fast könnte man auf die Idee kommen, er hat zu dem Zeitpunkt schon genau gewußt, mit was für einer Offerte man demnächst an ihn herantreten würde .....

  • Der neue Chef ist perfekt und wird das Problem in den Griff bekommen, bodenständig und geradlinig wie er ist. VOW3 und pah long sind für mich gesetzt.
    Hätte man früher auf Piech gehört, müßten nun all die hervorragenden Manager, um die VW weltweit geachtet und tlw. auch beneidet wird, nicht gehen müssen.
    So war das für Hr. Piech dann doch nur nur ein Phyrussieg. Geschuldet sei es der Nachbarfamilie und den Gewerkschaften. Durchsetzen heißt eben nicht siegen und schon gar nicht bessermachen. Das gehört denen ins Stammbuch geschrieben.

  • Der Führer fährt doch nicht Volks-Wagen sondern Daimler. Die VWs sind für den Pleps als Sozialleistung gedacht.

  • ....selbst auch VW gefahren Führherr ?

  • Ich bin seit gestern long bei Volkswagen. Bitten seien sie doch so nett und schreiben nur noch Guten, Wahres und Erbauendes über diesen urdeutschen Konzern, der wohl wieder in "guten" Händen ist.

    danke

  • Da meinen Sie bestimmt die roten Sozis, nationale Elemente bereichen sich nicht.

  • Warum soll denn Herr Piech als Mehrheitseigner resp. dessen Vertreter nicht den VV der VW-Group bestimmen?

    Es wäre hingegen höchste Zeit, die staatliche Einmischung per VW-Gesetz endlich zu beenden.
    Die sich an dessen Trögen mästenden Sozialisten und Gewerkschafter sollten endlich ihres schlechten Einflusses bei einem weitgehend doch fast privaten Unternehmen beraubt werden.

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