Neues Auktionsmodell zur Lizenzvergabe soll Privatinvestoren locken – Staat sichert sich Einfluss
Brasilien öffnet den Energiesektor

Brasilien will verstärkt private Investoren für den Ausbau des Stromsektors gewinnen. Sie sollen mit einem neuen Auktionsmodell gelockt werden, mit dem Lizenzen zur Energieversorgung vergeben werden. Dies hat die Regierung um Präsident Luis Inácio Lula da Silva jüngst beschlossen.

SAO PAULO. Ziel der Regierung ist es, Energie langfristig billiger zu machen und die Versorgung zu verbessern. Vor drei Jahren war das Land von eine schwerwiegenden Versorgungskrise getroffen worden.

Künftig gewinnt in Brasilien derjenige Erzeuger eine Lizenz, der in einer Auktion den niedrigsten Tarif anbietet – also nicht mehr das Unternehmen, das den höchsten Preis für der Lizenz bietet. Alle Energie muss in einen Pool gespeist werden, aus dem die Verteiler dann über langfristige Verträge den Strom erhalten.

Direkte Verträge zwischen Großkunden und Erzeugern sind künftig möglich, aber kompliziert, weil staatliche Behörden über Preise und Mengen stark bestimmen. „Es kann nicht von einem freien Markt gesprochen werden“, kritisiert die Dresdner Bank in einer Studie.

Experten stellen den Erfolg der Reform in Frage. „Es wird die nächsten zwei Jahre vermutlich keine größeren privaten Investitionen im Stromsektor Brasiliens geben“, prognostiziert Marcelo Endo vom Beratungsunternehmen KPMG. Grund: Verlässliche Kalkulationen sind für private Investoren schwer. Dazu fehlen nach Einschätzung der Dresdner Bank wesentliche Details in der neuen Regelung.

Von ihr fühlen sich vor allem ausländische Stromerzeuger benachteiligt, die seit 1995 in Brasilien tätig sind. Zu ihnen gehören Duke Energy und AES (Nordamerika), Electricité de France (EDF) und Tractebel sowie Endesa und Iberdrola aus Spanien.

Für sie wird es schwierig, in einer Auktion den niedrigsten Preis für eine Lizenz zu bieten. Denn sie müssen sich nach den Kalkulationen richten, mit denen sie vor Jahren ihre alten Kraftwerke gebaut haben. Zudem konkurrieren sie mit Wasserkraftwerken staatlicher Erzeuger, die deutlich billig produzieren und deren Anlagen längst abgeschrieben sind. Neue Investoren werden mit langfristigen Verträgen von 15 bis 35 Jahren Dauer sowie stabilen Preisen gelockt.

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