Neues Geschäftsfeld
ABB hübscht Roboter für den Mittelstand auf

Es kommt nicht nur auf die Größe an: Mit flexiblen Modellen will der Konzern ABB neue Kunden im Mittelstand anlocken und sich Wachstumsfelder jenseits der Energiesparte erschließen. Neue Robotermodule erfüllen dabei auch Firmen abseits der Branchengiganten den Traum von der Automatisierung.

MANNHEIM. Der schwedisch-schweizerische Technikkonzern ABB nimmt den Mittelstand ins Visier. Mit vorinstallierten Roboter-Modulen will das Unternehmen die Automatisierungs-Helfer auch für mittelgroße Unternehmen attraktiv machen. „Wir haben fertige Roboter-Module entwickelt. Damit können wir an Firmen herantreten, die bislang nicht so im Fokus für unser Automatisierungsgeschäft standen“, sagte Peter Smits, Chef der deutschen Landesgesellschaft von ABB und Leiter der Region Zentraleuropa, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Bislang wurden Roboter vor allem als komplette Fertigungslinie ausgeliefert. Angesichts der damit verbundenen hohen Investitionen scheuten gerade mittelständische Firmen den Einsatz der produktiven Helfer. Zudem sind die Umrüstzeiten solcher komplexen Linien recht lang, für die häufig sehr schnell wechselnde Produktpalette vieler mittelständischen Betriebe ein Problem.

„Unsere neue Robotergeneration ist sehr flexibel und kann einen schnellen Produktwechsel ohne Probleme managen“, sagte Smits. Gleichzeitig arbeite man an Robotern, die mit Hilfe ausgefeilter Sensorik auf die Umwelt reagieren können. „Damit werden Roboter künftig in der Lage sein, im Team und mit Menschen zusammenzuarbeiten“, sagte Smits. Bislang ist das kaum möglich, aus Sicherheitsgründen musste um die Roboter immer ein Schutzkäfig gebaut werden.

Mit solchen Innovationen will ABB seiner Automatisierungssparte zusätzlichen Schwung geben. Zwar ist sie gemessen am Umsatz nach wie vor der größte Bereich des Konzerns. Doch in den nächsten Monaten dürfte die Energietechnik deutlich schneller wachsen.

Gleichzeitig sind die japanischen Anbieter in der Automation zu einer mächtigen Konkurrenz geworden. ABB erschließt deshalb gerade für die nützlichen Helfer andere Branchen. Bislang werden sie vor allem in die Automobilfertigung eingesetzt. „In der Solarenergie-Industrie zählen wir schon zu den führenden Anbietern, weitere Abnehmerbranchen sind alle Industrien, wo etwas bewegt wird, etwa die Lebensmittelindustrie oder der Maschinenbau“, sagte Smits. „Die gesamte Automatisierung ist längst noch kein Massenprodukt. Unternehmen können sich über einen geschickten Einsatz etwa von Robotern immer noch vom Wettbewerb differenzieren.“

ABB galt über Jahre als Sorgenkind, hatte sich mit zahllosen Geschäftsfeldern verzettelt und war zudem wegen Asbestklagen in den USA unter Druck geraten. Erst ein radikaler Schnitt schaffte die Wende. Heute ist ABB neben der Automatisierung vor allem in der Stromübertragung und -verteilung tätig. Hier kommt dem Unternehmen zugute, dass die starke Nachfrage nach Energie hohe Investitionen auch in die Netze erforderlich macht.

„Das starke Wachstum auf den Energiemärkten hat uns sicherlich geholfen, aber am Ende muss man für einen solchen Boom natürlich auch die richtigen Produkte haben“, sagte Smits. ABB habe den großen Vorteil, völlig unabhängig von den jeweiligen Energieträgern zu sein. So hatte ABB erst vor kurzem einen Großauftrag vom Energieriesen EON für die Anbindung eines Offshore-Windparks vor der Nordseeinsel Borkum erhalten. „Wir haben hierfür eine patentierte Technologie, die die Anbindung an das Stromnetz auf dem Festland sehr effektiv gestaltet. Ich denke, dass weitere ähnliche Aufträge folgen werden“, sagte Smits.

Er betonte, dass die Landesgesellschaft Deutschland, ebenfalls über Jahre ein Sorgenkind des Konzerns, mit dem Wachstum im Konzern Schritt halte und dies auch weiter tun werde. ABB-Chef Fred Kindle will bis zum Jahr 2011 den Umsatz im Schnitt um acht bis elf Prozent pro Jahr steigern. Die Ergebnismarge bezogen auf das Vorsteuerergebnis (Ebit) soll zwischen elf und 16 Prozent liegen. Im ersten Halbjahr hat die deutsche Tochter diese Vorgaben mehr als erfüllt. Der Umsatz war um etwa 20 Prozent auf 1,49 Mrd. Euro gestiegen, das Vorsteuerergebnis hatte 196 Mill. (Vorjahr 134 Mill.) Euro betragen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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