Neues Joint Venture
Saab spielt die letzte chinesische Karte aus

In letzter Minute könnte der Autohersteller Saab jetzt doch noch einen Retter gefunden haben. Der chinesische Autohändler Pang Da soll bei der schwedischen Kultmarke einsteigen.
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Es ist wohl wieder einmal Saabs letzte Chance. Nachdem der Einstieg von Hawtai gescheitert und andere chinesische Autohersteller ihr Interesse dementiert haben, hat sich nun doch noch ein Investor aus China gefunden. Der Autohandelskonzern Pang Da soll sich mit 24 Prozent an Spyker Cars beteiligen, der niederländischen Mutter von Saab. Mit diesem Geld soll Saabs mittelfristige Finanzierung gesichert sein. 

Damit könnte die China-Reise von Spyker-Chef Viktor Muller doch noch von Erfolg gekrönt sein - vorausgesetzt, die chinesische Regierung, die Europäische Investitionsbank (EIB), die einstige Saab-Mutter General Motors und das schwedische Finanzministerium haben nichts dagegen. Dadurch dass Pang Da kein herkömmlicher Autohersteller sei, sollte es einfacher sein, die notwendigen Genehmigungen zu erhalten, sagte Muller, der ins Reich der Mitte gereist war, um mit potenziellen Investoren zu verhandeln. Laut gut informierten Kreisen soll Saab etwa mit dem aufstrebenden chinesischen Autohersteller Great Wall Motor über eine mögliche Fusion verhandelt haben. 

Am 6. April hatte Saab die Produktion an dem Standort im schwedischen Trollhättan wegen finanzieller Schwierigkeiten einstellen müssen. Zulieferer hatten über unbezahlte Rechnungen geklagt und keine Bauteile mehr geschickt. Schwedens Wirtschaftsministerin Maud Olofsson hatte die Lage für das heimische Traditionsunternehmen erst in der vergangenen Woche als „schwierig“ bezeichnet. Das Unternehmen beschäftigt aktuell noch 3500 Mitarbeiter in seinem Stammwerk Trollhättan. 

Nun ist Muller wieder zuversichtlich, bald voll in die Produktion einsteigen zu können. Einen genauen Zeitpunkt nannte er jedoch nicht. Muller lobte Pang Da als in die Zukunft schauenden, profitabel arbeitenden und gut kapitalisierten Konzern sowie als größten chinesischen Autohändler.  Pang Da war erst im April an die Börse in Shanghai gegangen und hatte dabei rund 700 Millionen Euro eingenommen. Immerhin: An der Börse in Amsterdam wurde die Nachricht positiv aufgenommen. Spyker-Aktien legten zeitweise mehr als 15 Prozent zu. 

Bleibt für Saab nur zu hoffen, dass der schwedische Autobauer mit Pang da mehr Glück hat als mit Hawtai. Das Unternehmen hatte Saab im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mittelfristig 150 Millionen Euro bereitstellen wollen. Allerdings hatte der relativ kleine und international unbekannte Konzern aus China nicht alle Eigner hinter seine Schweden-Pläne bringen können und deshalb absagen müssen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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