Neues Mittelstreckenflugzeug
China attackiert Airbus und Boeing

Insgesamt 100 Bestellungen für das erste chinesische Mittelstreckenflugzeug C919 liegen vor. Zwar kaufen zunächst nur chinesische Airlines. Doch das Signal ist klar: Das Duopol Airbus/Boeing soll geknackt werden.
  • 4

MÜNCHEN. Erst gab es einen Plan, dann ein Modell und seit dieser Woche feste Aufträge: Auf der Luftfahrtmesse in Zhuhai stellten die Chinesen jetzt erste Teile des Mittelstreckenflugzeugs C919 vor, mit dem sie in den kommenden Jahren den westlichen Herstellern Marktanteile abnehmen wollen. 100 Maschinen seien auf der Messe bereits verkauft worden, teilte der chinesische Flugzeugbauer Comac mit. Das überrascht nur auf den ersten Blick, denn drei der vier Kunden sind staatlich geführte chinesische Fluggesellschaften. Für sie sind Einkäufe bei dem ebenfalls staatlich gelenkten Flugzeugbauer Plicht. Vierter Käufer ist General Electric, der US-Konzern liefert mit den Triebwerken wichtige Komponenten.

Dennoch ist das Signal aus China eindeutig: Die Zeiten des Duopols von Boeing und Airbus im Geschäft mit Großraumflugzeugen gehen dem Ende zu. In Zhuhai präsentierten die Chinesen erstmals eine maßstabsgetreue Passagierkabine der C919. Das Flugzeug wird mit viel westlicher Technik ausgestattet und 2016 gegen die Boeing 737 und den Airbus A320 antreten. Die sehen dann auf dem Papier alt aus: Die A320 wurde Mitte der Achtziger entwickelt, die 737 in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Comac ist der staatliche Zusammenschluss mehrerer chinesischer Flugzeughersteller. China hat sich zum Ziel gesetzt, die westliche Dominanz für Passagierflugzeuge zu brechen. Comac arbeitet sich Stück für Stück mit seinem Produktportfolio hoch. Mit der ARJ21 ist seit diesem Jahr bereits ein Regionaljet in der Produktion. Der Mittelstreckenjet C919 ist der Sprung in die nächst größere Liga. Die "9" steht im chinesischen für die Ewigkeit, "19" für die Zahl von maximal 190 möglichen Sitzplätzen.

Die westlichen Anbieter wissen um die Herausforderung. "Bald wird China ein größerer Markt sein als die USA", sagt Airbus-Chef Tom Enders, der vor der Messe 102 Maschinen an chinesische Fluggesellschaften verkauft hat. Die Airbus-Prognosen gehen davon aus, dass sich der Luftverkehr in den kommenden 15 Jahren verdoppeln wird, vor allem wegen des rasanten Wachstums in Asien. Airbus betreibt daher seit 2009 eine Endmontage für die A320 in Tianjin, die dort ausschließlich für den chinesischen Markt gebaut wird.

Seite 1:

China attackiert Airbus und Boeing

Seite 2:

Kommentare zu " Neues Mittelstreckenflugzeug: China attackiert Airbus und Boeing"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Na, wenn die Maschinen das gleiche qualitative Niveau wie die chinesischen Autos haben, dann setzt ich mich da sicher nicht rein.

  • in diese einen Fall kann man ausnahmsweise nicht kritisch sein - bei einem Duopol von Airbus und boeing, ist es nur hilfreich, wenn ein weiterer Player in das Feld einsteigt - sollte sich Embraer ebenfalls dazu entscheiden bei Maschinen von 150-250 Plätzen mitzuspielen, werden insb. wir europäischen Steuerzahler davon profitieren können.

  • @no.7 ...und der chinesische Hersteller COMAC wird nicht subventioniert? Oh doch - und zwar u.a. von EADS und boeing, denn beide haben über Jahrzehnte hinweg Fertigungs- und Wartungsknowhow an die Chinesen geliefert. Auch die Lufthansa lässt in beijing ihre Flotte incl. A380 warten (s. AMECO). Tatsache ist: wer ein Flugzeug warten kann, der kann es auch nachbauen!

    Mich wundert nur, wie lange es diesmal gedauert hat, bis die Chinesen nun auch im Flugzeugbau das tun, was sie bereits in so vielen anderen Technologiefeldern praktizieren: auf allen nur denkbaren Wegen westliches Know-How akkumulieren, bis sie - vom Kugelschreiber bis zum Drahtwalzwerk und dem Transrapid - weitestgehend ohne die lästigen Ausländer autark produzieren können.


Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%