Neues Rabattprogramm
Verzweiflungstat von General Motors

Im Oktober waren die Absatzzahlen bei General Motors (GM) abermals eingebrochen. Der schwer angeschlagene US-Autohersteller will mit großzügigen Rabatten die Kunden wieder locken. Das Unterfangen birgt hohe Risiken.

HB DETROIT. Die Preisnachlässe des "Red-Tag"-Programms sollten bis 3. Januar 2006 gelten, gab der weltgrößte Autohersteller am Montag bekannt. Es beinhaltet massive Preisabschläge für die meisten Modelle des laufenden und des abgelaufenen Modelljahres der GM-Marken Buick, Chevrolet, GMC und Pontiac.

Die Käufer sehen die Discountpreise für die jeweiligen Autos bei den Autohändlern prominent auf einem roten Zettel. Sie erhalten dabei Abschläge von bis zu 4 400 Dollar gegenüber den Listenpreisen. Die Preissenkungen sind je nach Modell völlig unterschiedlich. Cadillac, Saab, Saturn und Hummer haben andere Verkaufshilfe-Programme aufgelegt, um den Verkauf anzukurbeln.

GM hatte von Juni bis Anfang Oktober den Käufern im heimischen Markt die gleichen niedrigen Preise geboten wie den eigenen Mitarbeitern. Das Rabattprogramm schraubte den Absatz von GM von Juni bis August zunächst um 16 Prozent empor. Im September verlor das Programm allerdings bereits an Wirkung. Das Absatz sank wieder um 17 Prozent. Auch im Oktober war der Absatz schlecht.

Die schlechten Verkäufe, gepaart mit den hohen Preisabschlägen, schlugen sich direkt in der Bilanz nieder: GM hat allein im dritten Quartal einen Verlust von 1,6 Milliarden Dollar eingefahren und damit weit mehr als von Branchenexperten erwartet. Nach neun Monaten summierten sich die Verluste auf netto rund 3 Milliarden Dollar. GM selbst begründete dies vor allem mit hohen Kosten.

Experten sehen allerdings einen Zusammenhang zwischen den Rabattprogrammen und den Problemen der US-Autokonzerne. Denn im Sommer hatte GM mit dem Mitarbeiterpreis-Rabattprogramm einen Preiskampf ausgelöst. Die beiden anderen großen amerikanischen Autobauer Ford und Daimler-Chrysler waren GM mit Rabatten gefolgt. Während der deutsch-amerikanische Autobauer Daimler-Chrysler allerdings ohne größeren Schaden davonkam, machte auch Ford im dritten Quartal ein riesiges Minus. Allerdings ist bei dem zweitgrößten US-Autohersteller - anders als bei GM - die Existenz nicht akut gefährdet.

Der weltgrößte Autokonzern GM steckt zur Zeit in der wohl größten Krise seiner Geschichte. Sinkende Absatzzahlen, ein Berg von Schulden, eine ruinöse Rabattschlacht sowie die steigenden Pensions- und Gesundheitskosten haben sich zu einer Bürde aufgetürmt, die den 1908 gegründeten Konzern immer mehr in die Knie zwingen. Hinzu kommt der Vorwurf der US-Börsenaufsicht SEC, die Bilanzen geschönt zu haben, sowie eine schon bewiesene Fehlbilanzierung im Jahr 2001, die "aus Versehen" im passiert sein soll.

Um den drohenden Konkurs abzuwenden, hat GM-Chef Wagoner angekündigt, 25 000 oder gar noch mehr Menschen zu entlassen und mehrere Werke in Nordamerika zu schließen. Zudem will er eventuell die profitable Finanztochter GMAC verkaufen.

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