Neues Spitzenpersonal
General Motors macht Tabula rasa bei Opel

General Motors (GM) will die Sanierung von Opel rasch und unter neuer Führung angehen. Der bisherige Europa-Chef muss gehen. Der US-Autobauer setzt stattdessen auf altgediente Konzerngrößen. In Rüsselsheim dürften die Pläne nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen werden.
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HB FRANKFURT. Der bisherige Europa-Chef Carl-Peter Forster verlässt das Unternehmen, wie GM am Freitagabend mitteilte. Der US-Konzern wolle nun umgehend extern einen neuen Chef suchen. Dies soll in Absprache mit dem Opel-Management und den Betriebsräten geschehen, kündigte GM-Chef Fritz Henderson an. Weitere Änderungen im Opel-Management seien nicht geplant. Hendersons Vorschläge zur Zukunft von Opel sollen nächste Woche vorliegen.

Die Ankündigung kommt nur drei Tage nach der überraschenden Entscheidung von GM, Opel nun doch nicht wie vereinbart an den kanadischen Zulieferer Magna zu verkaufen, sondern stattdessen selbst zu behalten. Forster, der sich massiv für den Verkauf einsetzte, hatte zuletzt offengelassen, ob er im Amt bleibt.

Nun soll der GM-Asienmanager Nick Reilly die Opel-Sanierung übernehmen. Der gebürtige Brite verbrachte lange Jahre als Manager bei der britischen Opel-Schwester Vauxhall und in der GM-Europe-Zentrale in Zürich, wo er zuletzt für Marketing und Vertrieb zuständig war. Derzeit ist Reilly von Shanghai aus für das Asien-Pazifikgeschäft des Konzerns verantwortlich. Neben Reilly werden weiterhin auch der GM-Verhandlungsführer für Opel, John Smith, und der Magna-Manager Herbert Demel als Kandidaten für das Amt des Opel-Chefs gehandelt.

GM-Manager Bob Lutz soll laut "Spiegel" Opel-Aufsichtsratschef werden. In der Konzernzentrale von General Motors in Detroit würden bereits die Weichen dafür gestellt, hieß es demnach am Freitag. Die Personale dürfte in Rüsselsheim nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen werden. Kritiker sehen in Lutz einen jener Manager, die mit für den Niedergang von GM und die verfehlte Modellpolitik des Konzerns verantwortlich waren. GM wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

Mit seiner Kehrtwende hat GM in Deutschland Politik und Belegschaft vor den Kopf gestoßen. Nicht nur deswegen steht der künftige Opel-Chef vor einer schwierigen Aufgabe. Bislang sind nur einige Eckpunkte der GM-Pläne für Opel bekannt. GM will bei der Europatochter 10 000 von 50 000 Stellen streichen und das Werk in Antwerpen voraussichtlich schließen. Die Zukunft der Werke in Bochum und Eisenach ist ungewiss.

Ob GM bei dem Umbau auf Staatshilfen aus Deutschland hoffen kann, ist noch offen. Nach den Worten von Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) kommt das nur bei Standort- und Beschäftigungsgarantien infrage. "GM muss zunächst erst einmal ein schlüssiges Konzept für Opel vorlegen", sagte Machnig am Freitag zu Reuters.

Personelle Veränderungen gibt es auch in der Opel-Treuhand. Die vier Bundesländer mit Opel-Standorten haben ihren Vertreter, den hessischen FDP-Landespolitiker Dirk Pfeil, aus dem Gremium abberufen und ersetzen ihn durch den nordrhein-westfälischen Wirtschaftsstaatsekretär Jens Baganz (CDU). Grund seien die öffentlichen Äußerungen Pfeils, die eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit unmöglich machten, heißt es in einem Brief der Ministerpräsidenten an Pfeil. Pfeil hatte mehrfach den Zorn der Politiker auf sich gezogen, weil er den von Bund und Ländern gewünschten Verkauf von Opel an Magna abgelehnt und den von ihm favorisierten Verbleib bei GM gutgeheißen hatte. Die Treuhand verwaltet bis zur Rückzahlung des noch ausstehenden Brückenkredits über 900 Mio. Euro von Bund und Ländern noch 65 Prozent der Opel-Anteile.

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