Neues Stahlwerk
Thyssen-Krupp treibt Expansion in den USA voran

Das bislang wichtigste Investitionsvorhaben des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp in den USA tritt in die heiße Phase: Die beiden südöstlichen Bundesstaaten Alabama und Louisiana, die der Ruhrkonzern als Standorte favorisiert, haben am Wochenende ihre Angebote eingereicht. Bereits im Mai soll es grünes Licht für das Projekt geben.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Thyssen-Krupp beabsichtigt, in den USA für insgesamt 2,3 Mrd. Euro ein neues Elektrostahlwerk sowie Weiterverarbeitungsanlagen für Stahl und Edelstahl zu errichten. Die Produktion soll 2010 anlaufen. Um den Zeitplan einhalten zu können, soll der Aufsichtsrat bereits im Mai grünes Licht für das Projekt geben, hieß es im Konzern. Mittelfristig strebt Thyssen-Krupp bei qualitativ hochwertigen Flachstahlprodukten auf dem weltgrößten Automobilmarkt einen Marktanteil von fünf Prozent an. Bisher liegt er bei ein Prozent.

„Wir werden in den nächsten Wochen die Angebote prüfen und zeitnah eine Entscheidung treffen“, sagte ein Sprecher von Thyssen-Krupp Steel in Duisburg. Medienberichte, wonach Louisiana mit seiner Bewerbung um das neue Stahlwerk gescheitert und damit eine Vorentscheidung zugunsten Alabamas gefallen sei, bezeichnete der Sprecher als falsch. Mike Olivier, Wirtschaftsminister von Louisiana, hatte zuvor gesagt, Thyssen-Krupp habe die von Louisiana angebotenen Investitionszuschüsse als zu niedrig abgelehnt. Allerdings bezweifelt Olivier, dass Alabama größere finanzielle Anreize bieten werde. Thyssen-Krupp will mit dem neuen Werk 2 700 neue Arbeitsplätze schaffen.

Alabama entwickelt sich dank relativ niedriger Löhne, gut ausgebildeter Arbeitskräfte sowie großzügiger Investitions- und Steuerhilfen des US-Bundesstaates zu einem neuen Zentrum der Automobilindustrie der USA. Während die US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler in einer existenziellen Krise stecken und im Norden der USA Dutzende von Fabriken rund um Detroit schließen, zieht es ausländischen Konzerne in den gewerkschaftsfreien Süden. Mercedes-Benz produziert seit Jahren Wagen der M-Klasse in Alabama. Die japanischen Autobauer Toyota und Honda sind ebenfalls mit modernen Werken vertreten, der südkoreanische Konkurrent Hyundai will in Alabama Motoren bauen.

Mit seinem neuen Stahlwerk in Alabama würde Thyssen-Krupp näher an seine wichtigsten Kunden heranrücken. Dabei profitieren der Konzern von den steigenden Qualitätsanforderungen der Transplants, den US-Ablegern ausländischer Automobilhersteller. „Es gibt bisher nur wenige US-Anbieter, die höherfeste Stähle produzieren können“, sagte Hermann Reith, Analyst bei der BHF-Bank. Der Markt für diese Neuentwicklung, die zu einer deutlichen Gewichtsersparnis im Karosseriebau führt, wächst rapide. Experten prognostizieren, dass die Transplants verstärkt höherfeste Stähle einsetzen werden, um den Benzinverbrauch und damit den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 zu senken.

Ein ernsthafter Konkurrent auf dem diesem Gebiet könnte ausgerechnet der kanadische Stahlhersteller Dofasco werden, den Thyssen-Krupp Anfang 2006 übernehmen wollte. Denn der neue Dofasco-Eigentümer Arcelor-Mittal forciert die Entwicklung höherfester Stähle ebenfalls, berichteten Branchenkenner.

Seite 1:

Thyssen-Krupp treibt Expansion in den USA voran

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%