Neues Taxi von Nissan
Das hässliche Entlein von New York

Trotz Widerstand vom Bürgermeister und Klagen von Taxifahrern: Seit Dienstag herrscht der Nissan NV 200 auf den Straßen von New York. Er bietet mehr Platz, einen USB-Stecker und ein Panoramafenster. Eine Probefahrt.
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New YorkEin Auto mit seinen winzigen Kühlergrill, hochgesetzten Scheinwerfern und langem Heck wird künftig das Straßenbild von New York prägen. Der Kleintransporter Nissan NV 200 sieht nicht sonderlich schön aus. Trotzdem wird er einer der wichtigsten Nebendarsteller in den unzähligen Kinofilmen, Werbevideos oder Anzeigenfotos, die in der Stadt jeden Tag gemacht werden. Ab dem 1. September können Taxigesellschaften in New York nur noch den Nissan kaufen.

Leicht zu finden sind die NV 200 aber noch nicht. Es gibt rund 700, rund fünf Prozent aller gelben Taxen. Doch da kommt eines um die Ecke: Hand hoch halten und einsteigen. Es ist wie im Märchen von Hans Christian Andersen: Aus dem hässlichen Entlein wird plötzlich ein schöner Schwan.

Ein herrlich luftiges, freies Gefühl überkommt den Fahrgast. Der NV 200 bietet mehr Platz, das hohe Dach reicht auch für große Menschen zum bequemen Sitzen, von der Beinfreiheit träumt man in Flugzeugen. Die Sicherheitsgurte sind gelb markiert und leicht auf den schwarzen Sitzen zu finden. Man kann sein Handy aufladen und oben aus einem getönten Panoramafenster schauen. Und beim Aussteigen mit der Schiebetür werden Fahrradfahrer nicht gefährdet.

Bislang hat Fahrer Bernell Hollis nur gute Erfahrungen mit dem Nissan gemacht. Seit einem Jahr ist er mit dem NV 200 unterwegs, spart täglich 15 bis 20 Dollar an Spritkosten. „Leider gibt es kein Hybrid-Modell“ – gemeint ist ein Fahrzeug mit kombinierten Elektro- und Benzinmotor. Die Passagiere mögen den Innenraum: „Das ist das Taxi der Zukunft“. Probleme hat er allerdings im Winter. Da würde der Nissan mit „seinen kleinen Rädern“ bei Schneefall nicht die Berge hoch kommen.

Das war anders beim Crown Victoria, den Hollis vorher gefahren ist. Das Ford-Modell dominierte bislang das Straßenbild, wird aber nicht mehr von Ford gebaut. Da jeden Monat bis zu 200 Taxen ausrangiert werden und es derzeit 13.587 Taxen gibt, sind rein rechnerisch in fünf Jahren nur noch gelbe NV 200 unterwegs.

Was Hollis am besten am NV 200 gefällt: Endlich hat er Platz. Der 1,90 Meter große Amerikaner hat sonst seine Probleme, wie er meint: „Die alten Taxis sind zu klein für den Durchschnittsamerikaner“. Vor allem die neuen Toyota Camry würden nichts taugen: „Meine Beine sind zu lang für kurze Taxis“, sagt Hollis, der seit acht Jahren Taxifahrer ist.

Auch so wie in dem Märchen von Hans Christian Andersen überwand der Nissan NV 200 alle Schwierigkeiten, Anfeindungen und viel Elend. Es gab Gerichtsklagen, selbst der neue Bürgermeister von New York, war dagegen. „Ich mag vieles nicht an dem Deal“, sagte Bill de Blasio noch im vergangenen Juni. Vor seiner Wahl zum Bürgermeister im November 2013 legte er gar eine Klage gegen den Plan seines Vorgänger Michael Bloomberg ein.

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Taxifahrer finden viele Mängel

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