Neues Werk
Ein Mercedes aus Kecskemet...

Trotz Finanz- und Autokrise hat im ungarischen Kecskemet der Bau einer neuen Mercedes-Fabrik begonnen. Für 800 Millionen Euro stampft Daimler sein erstes Werk in Osteuropa aus dem Boden.. Dabei war es lange Zeit gar nicht sicher, ob das Werk tatsächlich gebaut wird.

KECSKEMET. Nebenan auf dem Bauernhof grunzen Schweine, ein Hund bellt. Gleich gegenüber ist es mit der bäuerlichen Idylle vorbei: Dutzende Bagger stehen auf dem riesigen Gelände, die Bauleute haben ihre Container bezogen.

Auch wenn der Konzern an allen Ecken und Enden spart: Das neue Werk im ungarischen Kecskemet ist ein Grund zum Feiern. Zur Grundsteinlegung Ende vergangener Woche kommt Konzern-Prominenz in die 80 Kilometer südlich von Budapest gelegene 100 000-Einwohner-Stadt. Mercedes-Produktionsvorstand Rainer Schmückle freut sich, "dass wir mit offenen Armen in Ungarn empfangen worden sind". Daimler habe diese Investitionsentscheidung keinen Tag bereut.

Aber Schmückle spricht auch außergewöhnlich offen Probleme an: Ganz so sicher sei es nicht gewesen, dass die Fabrik tatsächlich gebaut wird. Daimler und die ungarische Regierung hatten zwar im Sommer 2008 die Grundsatzvereinbarung über das Werk unterzeichnet, und die EU hatte öffentliche Hilfen von 110 Mio. Euro genehmigt. Aber dann kam die Krise, die alle Pläne in Frage stellte - auch die für Kecskemet. Allerdings hatte die ungarische Regierung zwischenzeitlich die Steuerbelastung gesenkt, was in Industriebetrieben zur Minderung der Arbeitskosten führt - und Daimler dabei half, an dem Projekt festzuhalten.

Anfang 2012, wenn in der ungarischen Provinz die Serienfertigung beginnt, könnte die Krise tatsächlich überwunden sein. In Kecskemet will Daimler ausschließlich die kleinsten Mercedes-Baureihen produzieren lassen, also A- und B-Klasse. Solche Autos könnten in Osteuropa in den kommenden Jahren Renner werden, wenn die Wirtschaft anzieht. Die Jahreskapazität liegt bei 150 000 Autos, im Stammwerk für die A-Klasse in Rastatt in Baden-Württemberg liegt sie bei 250 000.

Ungarns Premier Gordon Bajnai, der als Wirtschaftsminister die Verhandlungen mit den Deutschen geführt hatte, ist mit dem Baubeginn in Kecskemet sehr zufrieden. "Dass Daimler in der Krise an dem Projekt festgehalten hat, unterstreicht das Vertrauen in unseren Staat." In Kecskemet wird der deutsche Einfluss in den kommenden Jahren auf jeden Fall deutlich zunehmen. Knorr-Bremse, ein deutscher Automobilzulieferer, produziert bereits in Kecskemet, und da jetzt Daimler kommt, wird in der Stadt eine neue deutsche Schule eingerichtet.

Dass die Konzentration auf Autos allerdings nicht nur Segen, sondern auch Fluch sein kann, können die Leute in Kecskemet in ihrer Partnerstadt beobachten: In Rüsselsheim kämpft Opel seit Monaten ums Überleben.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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