Neues Werk soll in Hamm entstehen
Stahlbranche will keine neue RAG-Zeche

Die RAG AG hat das Genehmigungsverfahren für ein neues Kokskohlen-Bergwerk im Ruhrgebiet gestartet.

HB ESSEN/DÜSSELDORF. Damit will der Bergbau- und Chemiekonzern RAG künftig unabhängiger von teuren Kohleimporten zu sein. Der Startschuss für das Genehmigungsverfahren, das etwa drei bis fünf Jahren dauern werde, sei gefallen, teilte die RAG-Tochter Deutsche Steinkohle (DSK) am Mittwoch in Herne mit. Der Antrag sei angesichts hoher Preise für Kokskohle zwingend erforderlich, hieß es zur Begründung. Das geplante Bergwerk soll den Namen „Donar“ tragen und nördlich von Hamm entstehen. Die Finanzierung soll ohne öffentliche Mittel auskommen und allein durch private Investoren realisiert werden. Die erste Kokskohle - das ist Kohle, die später in Kokereien zu Hochofenkoks verwandelt wird - könne in acht bis zehn Jahren gefördert werden, hieß es. Die endgültige Entscheidung über den Bau des neuen Bergwerks werde aber erst nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens getroffen, hieß es.

Der Preis für den zur Stahlerzeugung benötigten Koks und seinen Rohstoff Kokskohle ist seit gut einem Jahr drastisch gestiegen. Ausgelöst wurde die Entwicklung durch China, das im Zuge seines Wirtschaftswachstums einen hohen Bedarf an Rohstoffen hat. Angesichts dessen hatte der RAG-Chef und ehemalige Wirtschaftsminister Werner Müller die Öffentlichkeit im vorigen September mit dem Vorschlag einer neuen Zeche überrascht. „Die Kohle wird wieder wertgeschätzt. Daher rechnen wir derzeit durch, ob wir beihilfefrei in Hamm ein neues Bergwerk bauen mit einer Kokerei hinten dran“, hatte er erst am Sonntag erklärt. Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) sicherte ihm gleichzeitig ein rasches Genehmigungsverfahren zu.

Die DSK teilte mit, in dem geplanten Hightech-Bergwerk könnten bei Vorräten von gut 100 Mill. Tonnen mit rund 2500 Mitarbeitern jährlich drei Mill. Tonnen Kokskohle gefördert werden. „Wir wären in der Lage, daraus für einen Zeitraum von 30 Jahren Koks deutlich unter dem prognostizierten Weltmarktpreis zu produzieren“, teilte DSK-Chef Bernd Tönjes mit.

Der von Müller ins Gespräch gebrachte Zechenneubau stößt in der Stahlindustrie auf wenig Gegenliebe. Nach Ansicht von Stahlverbandspräsident Dieter Ameling ist die Branche mit ihrem Koksbedarf nicht darauf angewiesen, dass eine neue deutsche Zeche die dafür nötige Kohle produziert. Die Unternehmen könnten ihren Kohlebedarf auf dem Weltmarkt decken. Nach aktuellen Preisen wäre die deutsche Kokskohle aus „Donar“ teurer als Importkohle. Kokskohle koste derzeit auf dem Weltmarkt rund 155 Dollar je Tonne. In Deutschland liege man derzeit bei 200 Dollar je Tonne, rechnete eine Sprecherin des Stahlverbands vor.

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