Neumann geht auf Wulff zu
Lkw-Reifenfertigung: Conti verhandlungsbereit

Continentals Vorstandschef Karl-Thomas Neumann hat einen ersten Schritt unternommen, um sich aus prekärer Lage zu befreien. Im Konflikt mit Continental-Großaktionär Schaeffler um die Macht bei dem Autozulieferer hatte sich Neumann zuletzt zwischen die Stühle gesetzt. Jetzt hat er sich zu Gesprächen mit Niedersachsens Ministerpräsident Wulff (CDU) über die Zukunft von Contis Reifensparte bereit erklärt.

MÜNCHEN/HAMBURG/TOKIO/DÜSSELDORF. Trotzdem hält Neumann eine Rettung der Sparte für wenig realistisch. "Ich halte es für schwierig, einen Vorschlag zu machen, der noch etwas herausreißen könnte. Aber ich sage nicht nein", so Neumann zum Handelsblatt. Der Conti-Vorstandsvorsitzende warnte jedoch vor zu großen Hoffnungen. "Ich will nicht zu große Hoffnungen machen, aber auch keine Türen zuschlagen."

Nach einem knapp dreistündigen Gespräch mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am Donnerstagabend in Tokio hatte Neumann zugesagt, die Vorschläge des Betriebsrats zumindest zu prüfen. Dies solle noch vor der nächsten Aufsichtsratsitzung am kommenden Freitag geschehen. "Ich entspreche der Bitte des niedersächsischen Ministerpräsidenten", sagte Neumann dem Handelsblatt.

Conti will angesichts des gewaltigen Nachfrageeinbruchs 1 900 Arbeitsplätze in der Produktion von Lkw- und Pkw-Reifen abbauen. Betroffen ist auch das Stammwerk in Hannover-Stöcken. Mit dem harten Sparkurs hat Neumann den Unmut der mächtigen Gewerkschaft IG BCE geweckt und auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) in eine schwierige Position gebracht. Wulff will die Abspaltung von Contis Gummigruppe mit gut 10 000 Arbeitsplätzen in Niedersachsen stützen.

Neumann betonte jetzt, die Entscheidung für die Schließung der traditionsreichen Produktionsstätte in Stöcken sei "extrem schwer" gefallen. "Wir wissen, welche Bedeutung das Werk hat. Aber die Einbrüche sind so dramatisch, dass wir keine andere Möglichkeit sehen. Conti hat bereits 14 000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Das werden noch mehr werden", sagte Neumann weiter. Der Lkw-Absatz sei zum Teil um 70 Prozent eingebrochen. "Diese Situation wird sicher in den nächsten vier, fünf Jahren nicht besser." Daher sagte Neumann: "Wir glauben nicht, dass Kurzarbeit in der Nutzfahrzeugsparte weiterhilft. Es ist völlig klar, dass die Volumen von früher dort nicht mehr erreicht werden."

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