Neun Jahre nach Markteinführung soll die koreanische Marke in Chevrolet umbenannt werden
General Motors streicht Daewoo als Markennamen in Europa

Zur Markteinführung schmetterte die Pop-Sängerin Jennifer Rush den Markennamen Daewoo noch publikumswirksam als Fanfare; ein großer Kussmund sprach es vor: „Dä-juh“. Doch geholfen hat es offenbar wenig. Neun Jahre nach der Einführung des koreanischen Autobauers auf dem europäischen Markt gibt der neue US-Besitzer General Motors (GM) nach Informationen aus Unternehmenskreisen den Markennamen auf und leitet einen Neustart unter dem Namen Chevrolet ein.

FRANKFURT/M. Ab 2005 werden die Fahrzeuge auch in Westeuropa unter dem Logo der amerikanischen Automarke angeboten, wie dies in Osteuropa teilweise bereits heute der Fall ist. GM will mit diesem Schritt aus Chrevolet eine Weltmarke machen. Die neue Strategie will der Konzern offiziell auf dem Autosalon in Paris im September verkünden, heißt es. Ein GM-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

Der größte Autokonzern der Welt, der im Jahr 2002 mit 44,6 Prozent als Großaktionär beim drittgrößten koreanischen Autohersteller eingestiegen ist, ordnet damit wenige Monate nach der Neustrukturierung seiner Organisation in Europa auch seinen Markenauftritt neu. Bisher trugen die Daewoo-Fahrzeuge neben Nordamerika nur in einigen Ländern Osteuropas das Chevrolet-Zeichen. In Westeuropa dagegen laufen die preisgünstigen Autos noch unter ihren eigenen Markennamen. Damit soll es nun bald vorbei sein. Auch die betroffenen Händler und Landesvertretungen werden entsprechend umbenannt.

Experten sind allerdings skeptisch, ob GM die richtige Entscheidung trifft. „Jahrelang wurde in Europa die Marke Daewoo aufgebaut – eine Umbenennung würde nun alle Kunden vor den Kopf schlagen und die Marke wieder auf den Nullpunkt zurückwerfen“, warnte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Prognoseinstitut B&D Forecast. Gerade in jüngster Zeit konnte Daewoo deutliche Erfolge vor allem auf dem wichtigen deutschen Markt feiern. Der Absatz kletterte im vergangenen Jahr um 157 Prozent auf 12 800 Fahrzeuge in die Höhe und erreichte damit einen Marktanteil von 0,4 Prozent; im ersten Halbjahr 2004 stieg der Absatz weiter um 71,9 Prozent. Doch das Ende von Daewoo in Europa ist eine Frage der Kosten, der Strategie – und auch der Markenführung, denn in Osteuropa werden vom Werk in Polen, das GM nicht übernommen hat, weiter Fahrzeuge unter dem Daewoo-Logo in Osteuropa verkauft.

Die komplette Streichung des Namens Daewoo in Europa gehört zum Restrukturierungsplan des neuen GM-Europachef Fritz Henderson, der zusammen mit seinem Vize, dem Ex-Opel-Boss Carl-Peter Forster, seit diesem Sommer die Geschicke des Konzerns in Europa leitet. GM hatte erst vor wenigen Wochen einräumen müssen, dass der Konzern im laufenden Jahr entgegen den Planungen zum fünften Mal in Folge in Europa rote Zahlen schreiben wird, und mit einer weitgehenden Entmachtung der Tochtergesellschaften die Konsequenzen gezogen. Henderson und Forster sollen den Konzern mit seinen Marken Daewoo, Saab, Opel und Vauxhall nun so schnell wie möglich zurück in die schwarzen Zahlen bringen – und eine einheitliche Vermarktung von Daewoo unter dem neuen Logo Chevrolet schont die klammen Kassen von GM Europa. Langfristig sind auch engere Kooperationen im GM-Verbund denkbar. Laut Henderson muss es künftig möglich sein, einen Opel, einen Saab oder einen Daewoo von einem Band laufen zu lassen. „Irgendwann braucht Opel die Hilfe der GM-Tochter Daewoo“, deutete GM-Vizechef Bob Lutz auf die Frage nach der Produktzukunft von Opel jüngst bereits an, wohin die Reise gehen könnte.

Chevrolet wird damit zur ersten Weltmarke des Konzerns aufgebaut: Bereits heute ist die GM-Marke neben Nordamerika auch in China präsent. Daewoo dagegen, dessen Markenname auf deutsch „allumfassendes Wissen“ lauten soll, wird dieses künftig nur noch in Asien weitergeben.

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