Neuordnung der Finanzen
Merckle kommt einen Schritt weiter

Als ersten Schritt im Rahmen einer umfassenden Neuordnung ihrer Finanzen hat die angeschlagene Merckle-Gruppe ein neues Stillhalteabkommen mit ihren mehr als 30 Gläubigerbanken vereinbart. Merckle strebt eine Entschuldung der Holdingfirmen an – der Deal gibt der Gruppe Zeit und Spielraum.

FRANKFURT. Das teilte die Merckle-Holding VEM Vermögensverwaltung mit. Zuvor hatte sich die Unternehmensgruppe bereits mit den Banken auf eine Art Grundsatzvereinbarung verständigt.

Es bestehe Einvernehmen zwischen den Parteien, Anfang Januar die restlichen Abkommen umzusetzen, heißt es in einer VEM-Erklärung. Das bis Ende März laufende Stillhalte-Abkommen bezieht sich auf Verbindlichkeiten der beiden Merckle-Holdingfirmen VEM und Spohn Cement sowie auf die finanziell ebenfalls angeschlagene Phoenix-Pharmahandelsgruppe, die über weitere zwischengeschaltete Firmen zum Merckle-Imperium gehört.

Die mit insgesamt schätzungsweise fünf Mrd. Euro verschuldete Merckle-Gruppe ist durch einen starken Wertverlust ihrer Mehrheitsbeteiligung von rund 80 Prozent am Baustoffkonzern Heidelberg Cement sowie durch Spekulationsverluste in Liquiditätsnöte geraten und verhandelt seit Wochen über eine Überbrückungs-Finanzierung.

Der inzwischen offenbar weitgehend festgezurrte Deal soll der Gruppe Zeit und Spielraum für eine grundlegende Neuordnung ihrer angespannten Finanzstruktur geben. Das Konzept sieht nach Informationen aus Bankenkreisen eine weitgehende Entschuldung der Holdingfirmen vor, was voraussichtlich den Verkauf der wichtigsten Merckle-Unternehmen Heidelberg Cement, des Pharmaherstellers Ratiopharm und möglicherweise auch der Phoenix Pharmahandel AG & Co erfordert.

Im Rahmen eines Überbrückungskredits, den man in der kommenden Woche endgültig besiegeln will, sollen VEM und Phoenix nach Informationen aus Finanzkreisen frische Mittel von rund 400 Mio. Euro erhalten. Vor allem für Phoenix ist das extrem wichtig, da dem zweitgrößten Pharmahändler Europas ansonsten im Laufe der nächsten Wochen Zahlungsschwierigkeiten drohen. Merckle hatte in den zurückliegenden Monaten offenbar Liquidität aus Phoenix abgezogen, um damit Finanzlöcher bei der Holding VEM zu stopfen. Alle kreditfinanzierten Anteile von Merckle an Heidelberg Cement sollen in einer gesonderten Einheit gepoolt werden, um so einen geordneten Verkauf im nächsten Jahr, möglichst an einen strategischen Investor, zu ermöglichen.

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