Neuwahl des Aufsichtsrats
Piëch will die Macht bei MAN

Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch des LKW-Herstellers Scania durch MAN verdichten sich die Anzeichen, dass Volkswagen die Zügel bei dem Münchener LKW-Hersteller anzieht.

fas/hof/rob MÜNCHEN/FRANKFURT. Branchenkreisen zufolge hat sich VW bereits über Banken bis zu knapp unter 30 Prozent der MAN-Aktien gesichert und leitet daraus einen Führungsanspruch im MAN-Aufsichtsrat ab. Weder MAN noch VW wollten die Informationen kommentieren.

Das oberste Kontrollgremium von MAN tagt am 9. März und bestimmt die Kandidatenliste für eine Neuwahl des Gremiums auf der Hauptversammlung am 10. Mai. Mit knapp 30 Prozent der Anteile – VW hat bei den Kartellbehörden die Übernahme von 29,9 Prozent angemeldet –, hätte VW nach den allgemeinen Gepflogenheiten Anspruch auf drei Sitze in dem 20-köpfigen Gremium. Zuletzt hatte VW knapp 22 Prozent der Aktien. Die Börse wettet seit Wochen auf eine Aufstockung: Seit der Rücknahme der Scania-Offerte Mitte Januar ist der Kurs der MAN-Aktie um rund 15 Prozent gestiegen.

Offiziell herrscht zwischen MAN, Volkswagen und dem schwedischen LKW-Hersteller Scania Burgfrieden. „Es gibt derzeit keine Gespräche“, sagte ein MAN-Sprecher am Donnerstag. MAN hatte seit September des vergangenen Jahres versucht, den schwedischen Konkurrenten Scania für umgerechnet 10,3 Mrd. Euro zu übernehmen. Doch sowohl der Scania-Großaktionär Investor, der von der schwedischen Wallenberg-Familie kontrolliert wird, als auch Volkswagen lehnten das Angebot ab. VW arbeitet aber weiter an einer Allianz, in die die Wolfsburger ihr brasilianisches Truck-Geschäft einbringen wollen.

VW erhöht den Druck

Um das Ziel zu erreichen, erhöht VW jetzt den Druck auf MAN, heißt es in Finanzkreisen, und nutzt dabei, dass der MAN-Aufsichtsrat nach einer fünfjährigen Amtszeit auf der Hauptversammlung komplett neu besetzt wird. Branchenkreisen zu Folge erhebt VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch Anspruch auf den Spitzenposten auch bei MAN. Für eine solche Ernennung sind allerdings die Stimmen der Arbeitnehmer im MAN-Aufsichtsrat notwendig. Der Widerstand scheint allerdings nicht allzu groß zu sein: „Die IG Metall hat mit Herrn Piëch eigentlich gute Erfahrungen“, heißt es. Die Arbeitnehmervertreter bei MAN wollen vor einer Unterstützung für Piëch aber noch „offene Fragen“ geklärt wissen. So möchten sie in einem neu formierten LKW-Konzern die Mitbestimmung gewahrt wissen. Auch die Zukunft der Sparten außerhalb des LKW-Geschäfts von MAN muss aus Sicht der IG Metall vorher klar sein.

Denn obwohl Piëch an diesen Sparten kein industrielles Interesse hat, könnten die Sparten im Machtpoker strategisch wichtig werden. Scania-Großaktionär Investor könnte für seine Zustimmung zur LKW-Ehe die MAN-Dieselsparte erhalten. Diese wiederum passt zum Friedrichshafener Dieselspezialisten Tognum – ehemals MTU –, der sich bereits im Einflussbereich der Wallenbergs befindet. Auch Thyssen-Krupp wird in der Branche ein Interesse an Teilen von MAN unterstellt. Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz sitzt bislang an der Spitze des MAN-Kontrollgremiums. Er hat bereits durchklingen lassen, die Position für einen Vertreter des neuen Großaktionärs räumen zu wollen. Piëch könnte ihm den Rückzug versüßen, indem er ihm Verkaufsverhandlungen in Aussicht stellt, mutmaßen MAN-Kenner.

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