Industrie

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Neuzulassungen: Autoverkäufe sinken in EU, steigen aber in Deutschland

Die Abwärtsspirale in der europäischen Autoindustrie setzt sich fort. Der Branchenverband Acea vermeldet für Oktober knapp fünf Prozent weniger Neuzulassungen. Nur in Deutschland trotzen zwei Konzerne dem Trend.

Neuwagen in Wolfsburg: VW und Daimler konnten ihren Autoabsatz trotz Krise steigern. Quelle: dapd
Neuwagen in Wolfsburg: VW und Daimler konnten ihren Autoabsatz trotz Krise steigern. Quelle: dapd

Brüssel/FrankfurtDie Talfahrt am europäischen Automarkt hat sich im vergangenen Monat etwas verlangsamt. Im Oktober sanken die Pkw-Neuzulassungen in der EU um rund fünf Prozent auf 960.000 Fahrzeuge. Damit war der Rückgang nur noch etwa halb so stark wie im Vormonat.

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Während sich die Pkw-Nachfrage auf dem größten Einzelmarkt Deutschland stabilisierte, rutschten die Verkäufe im krisengeplagten Spanien binnen Jahresfrist um ein Fünftel ab, wie der europäische Autohersteller-Verband ACEA am Freitag mitteilte. Auch in Frankreich und Italien ging es weiter in den Keller. Einziger Lichtblick war Großbritannien, wo die Verkäufe um zehn Prozent zulegten.

Der Druck auf die Hersteller ist damit aber kaum geringer geworden, denn die Pkw-Nachfrage befindet sich seit nunmehr 13 Monaten im Rückwärtsgang. Betroffen sind vor allem Hersteller wie Opel, Renault und Ford, die auf hohe Stückzahlen zu günstigen Preisen setzen - wegen der Arbeitslosigkeit in den Krisenstaaten Südeuropas aber kaum noch Autos verkaufen und Werke schließen müssen. Dagegen konnten sich die Premiumhersteller stabilisieren.

Allianzen der Autobauer

  • Daimler/ Chrysler

    In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

  • BMW/ Rover

    Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

  • Renault/ Nissan

    Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

  • Renault-Nissan/ Daimler

    Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

  • Volkswagen/ Porsche

    Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

  • Volkswagen/ Suzuki

    Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Daimler steigerte den Absatz dank der Neuauflage der kompakten A-Klasse um knapp drei Prozent und legte beim Marktanteil auf 5,4 (5,0) Prozent zu. Der Münchner Rivale BMW verkaufte zwar weniger, steigerte seinen Anteil aber ebenfalls leicht, weil der Markt stärker schrumpfte. Volkswagen profitierte vom starken Verkaufsplus seiner Oberklassetochter Audi (plus elf Prozent). Dadurch konnte der Wolfsburger Konzern den Rückgang bei der spanischen Tochter Seat (minus zehn Prozent) wettmachen.

Mit einem Marktanteil von 25,5 (Vorjahr: 23,9) Prozent kam mehr als jeder vierte Neuwagen in der EU von dem Wolfsburger Primus. Der Anteil des in einer Not-Allianz mit der Opel-Mutter GM verbundenen zweitgrößten europäischen Autobauers Peugeot verharrte bei gut zwölf Prozent. Opel verlor weiter an Boden: Die verlustreiche Tochter des US-Konzerns kam nur noch auf einen Marktanteil von 6,0 Prozent nach 6,6 Prozent im Vorjahresmonat. Während der US-Rivale Ford ebenfalls weiter an Boden verlor, konnte der italienische Autobauer Fiat seinen Marktanteil stabil halten.

Zu den Gewinnern zählte die koreanische Marke Hyundai , deren Absatz um elf Prozent kletterte, während die Verkäufe ihrer Schwestermarke Kia um fünf Prozent sanken. Der japanische Autobauer Toyota legte bei den Neuzulassungen leicht zu und steigerte seien Marktanteil.

Die größten Autohersteller der Welt

  • General Motors

    Der Autobauer hat im Jahr 2011 insgesamt 9 Millionen Fahrzeuge abgesetzt und war damit Spitzenreiter der Branche. Auch bei der Forschung ist GM vorn mit dabei: Das Budget dafür beträgt 6,9 Milliarden Dollar (2010).

  • Volkswagen

    Platz zwei beim Absatz: 8,4 Millionen Stück, bei der Forschung auf Platz drei (6 Milliarden Dollar).

  • Toyota

    Platz drei: 8 Millionen Fahrzeuge haben die Japaner abgesetzt. Toyota ist auch bei der Forschung Spitze: Der japanische Konzern gab mit 8,5 Milliarden Dollar so viel für die Forschung aus wie keiner der Mitbewerber.

  • Hyundai

    Platz vier für die Koreaner (mit Kia): 6,1 Millionen Stück, bei der Forschung mit 5,7 Milliarden Dollar ebenfalls Vierter.

  • Ford

    Mit 5,7 Millionen abgesetzten Fahrzeugen landet der US-Autobauer auf Platz fünf, bei den Forschungsausgaben mit 5 Milliarden Dollar ebenfalls.

  • Nissan

    Beim Autoabsatz sind die Japaner mit 4,7 Millionen Stück weltweit sechster. 4,7 Milliarden Dollar steckte Nissan in die Forschung (Platz sechs).

  • BMW

    Mit 1,7 Millionen abgesetzten Fahrzeugen auf Platz zwölf, bei der Forschung mit einem Budget von 4,1 Milliarden Dollar auf Platz acht.

  • Daimler

    Platz 13 bei den Auslieferungen: 1,4 Millionen Stück, bei der Forschung auf Platz sieben (4,6 Milliarden Dollar).

    Quellen: Ernst & Young (Absatz), Booz & Company, Unternehmensangaben (Forschungsausgaben)

 

  • 16.11.2012, 13:22 UhrMesserschmitt

    Interessant ist auch der US-Markt.Dort ist der Verkauf von BMW und VW gestiegen.Wobei langfristig gesehen VW und deren Töchter ,aufgrund von vielen Parametern ,die nächsten 3 Jahre gute Steigerungsraten haben werden.Der VW Aktienkurs spiegelt zum derzeitigen Zeitpunkt nicht den wahren Wert des Konzerns wieder.Die NFZ-Sparte sollte jedoch besser vermarktet werden.Auch die BMW Aktie hat noch Spielraum nach oben,insbesondere den Chinesen gefällt die Marke mit dem Propeller,und die Kostensenkungsmaßnahmen bei BMW greifen. Mercedes hat es schwieriger,aufgrund von vielen versäumnissen,bei Modellen und Marktstrategien in den letzten 2 Jahren.

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