Industrie

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New York Auto Show: Diesel-Motoren erobern die USA

Lange Zeit hatten Diesel-Autos in den USA einen schlechten Ruf. Sie galten als stinkende, schwerfällige Ölöfen. Bei jungen Amerikanern werden sie immer beliebter. Die deutschen Hersteller wittern ein großes Geschäft.

Volvo präsentiert auf der Auto Show auch den V60 mit Dieselantrieb. Quelle: ap
Volvo präsentiert auf der Auto Show auch den V60 mit Dieselantrieb. Quelle: ap

Wer auf Amerikas Straßen mit einem Diesel unterwegs ist, sollte die Tankuhr gut im Auge behalten. Denn es kann sehr gut sein, dass die mit letztem Tropfen angefahrene Tankstelle nur Benzin verkauft. Diesel-Autos sind bislang Exoten in den USA – ihr Marktanteil lag im vergangenen Jahr laut der Beratungsfirma ALG bei gerade einmal 1,7 Prozent.

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Zum Vergleich: In Europa sind es 55 Prozent. Schuld an dem Schattendasein ist zum einen, dass die Autos und ihr Treibstoff teurer sind. Zum anderen haben die Selbstzünder ein schlechtes Image: Sie gelten als knatternde, stinkende, langsame Ölöfen.

New York International Auto Show Öko? - Nein danke!

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Dieses Klischee ist übrig geblieben vom letzten Diesel-Boom nach der Ölkrise in den 70er Jahren, doch es stimmt längst nicht mehr. Die Amerikaner denken allmählich um, die Nachfrage nach Diesel-Autos steigt wieder – und mit ihr die Auswahl an schnittigen Modellen.

Und so spielt der gute alte Diesel auch bei der New York Auto Show eine große Rolle, die an diesem Freitag beginnt. BMW etwa stellt erstmals in Nordamerika den 328d vor, der in Deutschland 320d heißt. Chrysler zeigt den Crossover 2014 Dodge Durango Diesel, Volvo den V60 Hybrid mit Dieselmotor.

Die innovativsten Autostandorte

  • Quelle

    In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Innovationskraft der Automobilstandorte bewerten.

  • Platz 18

    Spanien
    Die Spanier verlieren im Innovationsranking satte 12 Prozentpunkte. Drei Prozent halten das Land in punkto Innovationskraft für sehr wettbewerbsfähig, 14 Prozent für eher wettbewerbsfähig. Damit sind die Spanier Schlusslicht in Europa.

  • Platz 17

    Ungarn
    Mit Daimler und Audi haben zwei deutsche Hersteller große Werke in Ungarn. In punkto Innovationskraft hat das osteuropäische Land enormen Nachholbedarf. Ein Prozent halten die Ungarn in diesem Feld für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 16

    Türkei
    Gleichauf mit Ungarn sind die Türken in punkto Innovationskraft. Auch die Türkei ist für ein Prozent der befragten Unternehmen sehr wettbewerbsfähig, für 17 Prozent eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 15

    Polen
    Der Nachbar ist ein wichtiger Produktionsstandort für deutsche Autokonzerne, doch nicht sonderlich innovativ. Drei Prozent halten die Polen für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent für wettbewerbsfähig. Das sind acht Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

  • Platz 14

    Slowakei
    Die Heimat von VW-Tochter Skoda schneidet im Innovationsranking ebenfalls eher schlecht ab. Zwei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 13

    Italien
    Satte neun Prozentpunkte haben die Italiener im Innovationsranking eingebüßt. Die Heimat von Fiat und Ferrari halten mittlerweile nur noch vier Prozent aller befragten Unternehmen für sehr wettbewerbsfähig,  24 halten Italien für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 12

    England
    Das Vereinigte Königreich war einst eine stolze Autonation. In punkto Innovation ist davon wenig geblieben. Erneut büßen die Briten 11 Prozentpunkte ein – und rutschen damit im Ranking ab. Sieben Prozent bewerten UK als sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 11

    Tschechien
    Unter Osteuropas Ländern belegen die Tschechen einen Spitzenplatz, insgesamt reicht das aber nur fürs Mittelfeld. Vier Prozent halten Tschechien für sehr wettbewerbsfähig, 27 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 10

    Russland
    Die große Wachstumshoffnung in Europa, doch in punkto Innovationskraft besteht Nachholbedarf. Sieben Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 24 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 9

    Frankreich
    Der große Verlierer im Innovationsranking. 21 Prozentpunkte büßt der Standort Frankreich ein. Nur noch sechs Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land in punkto Innovationskraft für sehr wettbewerbsfähig, 28 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 8

    Schweden
    Die Heimat von Volvo gehört zu den großen Gewinnern des Innovationsrankings. Neun Prozentpunkte haben die Skandinavier im vergangenen Jahr hinzugewonnen. 13 Prozent aller befragten Unternehmen halten Schweden für sehr wettbewerbsfähig, 30 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 7

    Indien
    Auf Indiens Automarkt regieren die Billigmodelle. Trotzdem wird das Land von den Automobilunternehmen als relativ innovativ angesehen. Zehn Prozent bewerten den Standort als sehr wettbewerbsfähig, 35 als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 6

    Brasilien
    Den zweitgrößten Sprung im Ranking macht das südamerikanische Land (+13 Prozentpunkte). Zuletzt haben mehrere Autokonzerne in Brasilien investiert. Die Innovationskraft bewerten zehn Prozent als sehr wettbewerbsfähig, 39 als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 5

    USA
    Volkswagen feiert in Amerika immer neue Wachstumsrekorde, auch in punkto Innovationskraft hat das Land zugelegt. 13 Prozent halten den Standort USA für sehr wettbewerbsfähig, 43 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 4

    China
    Obwohl der chinesische Automarkt sich zuletzt wieder abgekühlt hat, belegt das Land im Innovationsranking einen der Spitzenplätze. 18 Prozent halten China für sehr wettbewerbsfähig, 42 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 3

    Südkorea
    Hyundai und Kia sorgen auf dem europäischen Automarkt für Wirbel. Das liegt vor allem an der Innovationskraft der südkoreanischen Konzerne. Der Standort gewinnt im Innovationsranking satte 21 Prozentpunkte – mehr als jedes andere Land. Für 20 Prozent aller befragte ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 41 Prozent eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 2

    Japan
    Die japanische Autoindustrie hat sich erholt und greift nun wieder nach der Weltspitze – auch in punkto Innovationskraft. 24 Prozent bewerten Japan als sehr wettbewerbsfähig, 41 als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 1

    Deutschland
    Geht es nach der Einschätzung der europäischen Automotive-Unternehmen ist kein Land in Europa innovativer als Deutschland. Satte 44 Prozent halten den Standort für sehr wettbewerbsfähig in punkto Innovationskraft, 37 bewerten die Deutschen als eher wettbewerbsfähig

Wird der Diesel-Motor am Ende doch noch cool? „Amerikaner finden langsam Geschmack“, sagt Jessica Caldwell, Analystin bei der Branchenberatung Edmunds. Vor allem die Jüngeren, die das Klischee vom nagelnden Panzer nicht mehr kennen, seien aufgeschlossen. Schließlich hat er gegenüber Benzinern einen großen Vorteil: Moderne Diesel-Autos verbrauchen bis zu 40 Prozent weniger, und das ohne nennenswerte Abstriche bei der Leistung.

Das hilft auch den Herstellern, die unter Druck stehen, die Effizienz ihrer Flotte zu erhöhen. Die US-Regierung hat sie gezwungen, bis zum Jahr 2025 den Durchschnittsverbrauch auf 54,5 Meilen pro Gallone zu erhöhen. Das entspricht 4,36 Litern auf 100 Kilometer. „Für die Autobauer ist Diesel deshalb eine der bevorzugten Technologien geworden, um die Anforderungen zu erfüllen“, sagte der Analyst Alec Gutierrez der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

„Motor City“ in Not Detroits letzte Chance

Die einstige Hochburg der US-Autoindustrie liegt am Boden.

Der Markt ist zwar im Augenblick noch klein, doch die Experten von ALG erwarten, dass er sich innerhalb von drei Jahren auf fünf Prozent nahezu verdreifachen wird. Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der verkauften Diesel-Autos laut den Marktforschern von JD Power um gut ein Viertel nach oben geschnellt.

  • 29.03.2013, 11:22 Uhrtabascoman

    Das eigentliche Problem von Dieselmotoren in den USA sind die Spritpreise. In D ist das Raffinerie-Neben-und-Abfall-Produkt Diesel traditionsgemäß etwas billiger wie Benzin. In den USA ist es traditionsgemäß unverständlicherweise um rund 10 % teurer als Benzin.

    Insofern werden sich Dieselmotore dort entsprechend langsamer, - wenn überhaupt - durchsetzen.

    Ein Pluspunkt für Diesel ergibt sich dort nur durch einen dicken Minuspunkt beim Benzin: seitdem es dort Ethanolbeimischungen gibt, ist der Benzinverbrauch spürbar höher. Eben weil der Energieinhalt von Ethanol fast nichts ist. Diese zweifelhafte und verbrauchserhöhende Beimischung von Bio gibt es dort bei Diesel (noch) nicht.

    Ansonsten gibt es als Diesel-Vorteil nur noch die erhöhte Zuverlässigkeit und Lebensdauer. Diese ist mittlerweile aber auch bei Benzinmotoren sehr gut.

  • 29.03.2013, 12:16 Uhrwiebitte

    Ein typischer Hype !
    Die Amerikaner holen nur bei der Technik von gestern auf. In ca. zehn Jahren, vielleicht auch etwas früher, wird die bisherige Technik für einen mittelfristigen Zeitraum wieder Standard sein.
    Spätestens aufgrund der differierenden Kosten wird die Dieseltechnik gegenüber dem Gas-benzinmotor verlieren. Wenn das Erdgas-Fracking in den USA erstmal richtig angelaufen ist, wird Gas in den USA extrem billiger als Erdölderivate sein. Ein Benzinmotor ist ja quasi ein Gasmotor, es bedarf nur kleiner technischer Modifikationen. Na ja, gerade die deutschen Hersteller haben eine sehr gut entwickelte Dieseltechnik, ein paar Jahre können sie die in den USA gut verkaufen, bis sich eben das viel billigere Gas durchsetzen wird.

  • 29.03.2013, 12:23 Uhrcuriosus_

    @tabascoman:

    "Diese zweifelhafte und verbrauchserhöhende Beimischung von Bio gibt es dort bei Diesel (noch) nicht."

    Wie kommen Sie denn da drauf?

    "B20 (20% biodiesel, 80% petroleum diesel) is the most common biodiesel blend in the United States" Verbrauch 2011: 878 Millionen Gallonen (Über alle Blends. Quelle: http://www.afdc.energy.gov/fuels/biodiesel_blends.html)

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