Nicht nur die Telekom findet keine Jobs für Mitarbeiter
Personalserviceagentur: Die Bilanz ist mager

In München fuhren die neuen Chefs ins Holiday Inn, in Stuttgart in die Filderhalle und in Berlin in die Hauptstadtrepräsentanz an der Französischen Straße. Dietmar Welslau und Martin Walter, die im Juli angetretenen Geschäftsführer der Personalserviceagentur der Deutschen Telekom, stellten leitenden Mitarbeitern des Konzerns ihr neues Konzept vor.

DÜSSELDORF. Die Agentur soll der Telekom helfen, Tausende Arbeitsplätze abzubauen – und für die betroffenen Mitarbeiter extern wie intern neue Stellen suchen. Von systematischem Kapazitätsmanagement redeten Welslau und Walter, davon, dass die Agentur eigene Geschäftsmodelle im Telekommunikationsmarkt entwickeln werde und davon, dass doch bitteschön alle Telekom-Mitarbeiter „Jobfinder“ werden möchten. Jeder solle freie Stellen melden, die ihm auffielen.

Wirklich geändert aber, so wird im Konzern gespottet, habe sich bislang nur eins: der Name. Die Personalserviceagentur heißt jetzt Vivento. Bereits vor Monaten redeten sie in Bonn von der „größten Baustelle des Konzerns“. Knapp 10 000 Mitarbeiter beschäftigt die Agentur, in neue Jobs vermittelt hat sie nach eigenen Angaben etwa 2 000. Im Betriebsrat aber heißt es, Vivento habe für höchstens 1 000 Mitarbeiter dauerhaft neue Stellen gefunden. Jetzt versucht Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer den Befreiungsschlag: Er will die Arbeitszeit für rund 100 000 Mitarbeiter um zehn Prozent kürzen – und so 10 000 neue Stellen schaffen. Bislang scheiterte offenbar selbst der Versuch, Beschäftigte mit einem ordentlichen Packen Bargeld herauszukaufen. Vivento-Mitarbeiter berichten, die Telekom habe gerade die Abfindung für diejenigen verdoppelt, die den Konzern freiwillig bis Weihnachten verlassen. Die Reaktion sei verhalten: „Was nützt Ihnen die Abfindung, wenn Sie draußen keinen neuen Job bekommen?“ fragt ein Vivento-Angestellter.

Auch andere Konzerne haben nur begrenzten Erfolg mit ihren internen Personalserviceagenturen. So hat die Bahn-Tochter DB Vermittlung in diesem Jahr rund 3 000 Mitarbeiter beschäftigt – und nach eigenen Angaben für diese 670 neue Anstellungen gefunden. 650 seien sozialverträglich ausgeschieden, sagt eine Konzernsprecherin.

Beim Chemiekonzern BASF betreut die Serviceagentur SAG derzeit 329 Mitarbeiter. Sie sucht allerdings nur intern nach neuen Stellen für ihre Beschäftigten. Bislang habe die SAG nicht einmal zehn Mitarbeitern neue Jobs vermittelt, sagt ein Betriebsrat. Aber die Agentur habe ihre Arbeit erst im Frühjahr richtig aufgenommen. Auch Daimler- Chrysler plant eine Gesellschaft, die intern Arbeitskräfte vermittelt. Sie sei vor allem für junge Facharbeiter gedacht, die nach Beendigung der Lehre am alten Standort nicht weiter beschäftigt werden könnten, sagte eine Sprecherin.

Bei der Telekom heißt es allerdings bereits, Vivento erschwere die Arbeit der Personalabteilung. Weil so viele Mitarbeiter intern nach einer Stelle suchten, lege sich der Betriebsrat quer, wenn Leute von außen verpflichtet werden sollten – auch dann, wenn sie eigentlich dringend benötigt würden.

Personalvorstand Heinz Klinkhammer täte ein schneller Erfolg gut. Wen er bei Vivento in der Pflicht sieht, hat Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke erst jüngst vor seinen leitenden Angestellten in Bonn klargestellt. „Wir bekommen das ja jetzt alles in den Griff“, zitiert ein Augenzeuge seinen Chef. Nach kurzer Pause habe Ricke angefügt: „Oder besser gesagt: Heinz.“

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