Nicht nur Produkte, auch Lösungskonzepte fallen dem Ideenklau zum Opfer
Selbst in der Automationstechnik kopieren Asiaten gnadenlos

Die deutschen Hersteller von Robotern und Automationstechnik schlagen sich zunehmend mit einem Problem herum, das bislang eher aus Bereichen mit weniger anpruchsvoller Technik bekannt war: der Produktpiraterie.

wb FRANKFURT/M. Vor allem asiatische und speziell chinesische Unternehmen kopierten ungeniert Produkte und Problemlösungen der Branche, beklagt Joachim Rohwedder, Vorsitzender des Fachverbands Robotik und Automation im VDMA.

Den Technologie-Piraten fehle jedes Schuldgefühl oder gar Verständnis für die Position der betroffenen Unternehmen. Mit Aktionen wie der alljährlichen Verleihung des „Plagiarius“, des schwarzen Zwergs mit der goldenen Nase für besonders dreiste Nachahmungen, sei dem Problem nicht beizukommen: „Der gilt in China als Auszeichnung, die man sich stolz ins Büro hängt“, berichtet Rohwedder. „Und wenn wir uns bei den Plagiatoren über den Ideenklau beschweren, erhalten wir zur Antwort: Seien sie doch stolz darauf – wir kopieren immer nur das Beste!“

Im Falle der Automationstechnik geht es nicht nur um Plagiate von Produkten, „manchmal in den Originalfarben, mit den Originalnummern und sogar auf einem identisch kopierten Messestand präsentiert.“ Aus eigenem Erleben schildert Rohwedder eine zweite Variante, die auch im Geschäft mit europäischer Klientel nicht mehr unbekannt sei: „In Zusammenarbeit mit einem Kunden haben wir ein Jahr lang und mit unzähligen Änderungen an einer Automatisierungslösung gefeilt, bis wir kurz vor dem Letter of Intent standen. Dann hörten wir nichts mehr von dem Kunden, stellten aber später fest, dass er sich unsere Lösung in etwas vereinfachter Form in Korea hatte bauen lassen.“

Ungeachtet solcher Hindernisse sehen sich die Automationszweige nach wie vor als Wachstumsbranche. Nachdem ihr Umsatz im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 6,9 (6,5) Mrd. Euro gestiegen ist, wollen sie 2005 um weitere fünf Prozent auf 7,2 Mrd. Euro wachsen. Der stärkste Schub soll dabei von der industriellen Bildverarbeitung kommen, die erneut zehn Prozent zulegen soll. Damit würde sie die Marke von einer Mrd. (2004: 915 Mill.) Euro knapp überschreiten.

Als weniger dynamisch schätzt der Fachverband die Montage- und Handhabungstechnik ein, deren Wachstum sich von fünf auf drei Prozent verlangsamen soll. Damit wird sich indessen nichts an ihrer Position als größter Teilbranche ändern – ihr prognostizierter Umsatz von 4,2 (2004: 4,1) Mrd. Euro liegt immer noch mehr als doppelt so hoch wie der der Robotik. Die Roboterbauer sollen in diesem Jahr zwei (2004: 1,9) Mrd. Euro umsetzen und damit ihr Expansionstempo von fünf auf sechs Prozent steigern.

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