Nici hat Zusammenbruch abgewendet
Goleo-Hersteller streicht jede fünfte Stelle

Der insolvente Spielzeugbauer Nici baut trotz eines unerwarteten Nachfragebooms nach dem WM-Maskottchen „Goleo“ 123 Stellen ab. Die Gefahr eines Firmenzusammenbruchs soll zunächst aber gebannt sein.

HB MüNCHEN. „Um den ganzen Betrieb zu retten, haben wir 99 Mitarbeiter kündigen müssen. Es gibt dazu in der aktuellen Situation keine Alternative“, teilte der Insolvenzverwalter der Firma Nici am Mittwoch mit. Zudem verlören 24 befristet Beschäftigte bis Ende Juli ihre Stelle. Zuletzt arbeiteten knapp 580 Menschen bei dem Unternehmen aus dem fränkischen Altenkunstadt.

Der nach der Insolvenz drohende Kollaps des Spielzeugherstellers sei allerdings abgewendet, sagte Insolvenzverwalter Jaffe. „Das Tagesgeschäft hat sich normalisiert.“ Das erarbeitete Konzept zum Umbau des Unternehmens werde nun umgesetzt. Eine Reihe von in- und ausländischen Investoren sowie potenziellen strategischen Partnern hat Jaffe zufolge bereits Interesse an Nici bekundet.

„Die Nici AG arbeitet mit Strukturen und einem Personalbestand, wie sie den für 2005 ausgewiesenen Scheinumsätzen von 155 Mill. Euro entsprechen“, erklärte Jaffe zu den Stellenstreichungen. „Die tatsächlichen Erlöse bewegen sich jedoch weit darunter.“ In der Realität hat Nici nach Angaben von Jaffe im vergangenen Jahr weit weniger als 100 Mill. Euro eingenommen. In Unternehmenskreisen hieß es sogar, rund die Hälfte des ausgewiesenen Umsatzes sei erfunden gewesen.

Geschäft geht weiter

Der Geschäftsbetrieb könne nun aber trotz des Insolvenzverfahrens in vollem Umfang weiter geführt werden, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Sebastian Brunner. Auch die Liquidität in Höhe von mehreren Mill. Euro pro Monat sei inzwischen sichergestellt worden. „Die Winterkollektion ist bestellt und kommt wie geplant auf den Markt“, erklärte Jaffè. Damit steht auch der weiteren Produktion des Plüschlöwen „Goleo“ nichts im Weg.

Die zunächst stockende Nachfrage nach dem WM-Maskottchen habe sich seit Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft am 9. Juni deutlich erhöht. Es seien Nachbestellungen über 700 000 Stück eingegangen, angefangen vom kleinen Schlüsselanhänger bis hin zum mehr als ein Meter großen Plüschlöwen. „Jeder verkaufte „Goleo' trägt dazu bei, das Unternehmen zu retten“, sagte Brunner. Wie viele WM-Maskottchen insgesamt verkauft worden seien, konnte Brunner nicht beziffern. Nach der Weltmeisterschaft könne Bilanz gezogen werden.

Der 1986 als Familienbetrieb gegründete Hersteller von Plüschtieren und Geschenkartikeln hatte am 16. Mai Insolvenzantrag gestellt. Wegen des Verdachts auf Betrug in einem besonders schweren Fall sitzt der frühere Chef und Firmengründer Ottmar Pfaff in Untersuchungshaft. Er hatte zugegeben, Banken und andere Finanzfirmen ab dem Jahr 2000 mit Scheingeschäften um mindestens 40 Mill. Euro betrogen zu haben, um Entlassungen zu vermeiden.

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