Niederländischer Stromversorger
Essent stellt Bremer SWB zum Verkauf

Der niederländische Versorger Essent sondiert in Absprache mit seinem künftigen Partner RWE den Verkauf seiner wichtigsten Beteiligung in Deutschland, des Bremer Kommunalversorgers SWB. Um aufwendige Verhandlungen mit dem Kartellamt zu vermeiden, soll der Deal möglichst schnell vonstatten gehen – mehrere Unternehmen haben bereits Interesse angemeldet.

DÜSSELDORF. Wie das Handelsblatt aus informierten Branchenkreisen erfuhr, hat Essent die Stadt Bremen aufgefordert zu prüfen, ob sie ihr Vorkaufsrecht für den 51-Prozent-Anteil ausüben will. Offenbar rechnen Essent und RWE inzwischen fest damit, dass die Kartellbehörden bei ihrer geplanten Fusion den Verkauf der SWB ohnehin verlangen würden. Die Stadt Bremen dürfte zumindest einen Teil der Aktien an einen strategischen Investor weiterreichen. Mehrere Unternehmen haben bereits ihr Interesse angemeldet.

Essent hatte im Januar einer Übernahme durch RWE für rund 9,3 Mrd. Euro zugestimmt. Das Unternehmen ist nicht nur der größte niederländische Versorger, sondern auch in Deutschland stark vertreten, hat hierzulande über eine Mio. Kunden. Das Herzstück ist dabei die 51-Prozent-Beteiligung an der SWB AG. Der Bremer Kommunalversorger setzte zuletzt über eine Mrd. Euro um.

Dass die Kartellbehörden die Fusion mit Blick auf Essents deutsche Aktivitäten kritisch beäugen werden, ist den beiden Konzernen bewusst, schließlich will das Bundeskartellamt RWE auf dem Heimatmarkt keine weitere Expansion gestatten. Zunächst hatte RWE aber erwogen, Bremen zu behalten und stattdessen eine eigene Beteiligung abzustoßen.

RWE-Chef Jürgen Großmann wolle den Deal aber möglichst zügig abwickeln und aufwändige Verhandlungen mit den Kartellbehörden vermeiden, heißt es in den Branchenkreisen. Großmann hatte bei der Bekanntgabe der Übernahme angekündigt, sie bereits im dritten Quartal abschließen zu wollen. Der Wert des Anteils wird in den Branchenkreisen auf rund 700 Mio. Euro geschätzt. Weder Essent noch RWE wollten sich zu ihren Plänen mit der SWB äußern. In Kreisen der beiden Konzerne hieß es lediglich, noch sei nichts endgültig entschieden. Essent-Chef Michiel Boersma war Ende Januar allerdings bereits zu Gespräche mit Vertretern des Senats in Bremen.

Bremen hatte sich 2000, als Essent die Mehrheit erwarb, ein Vorkaufsrecht einräumen lassen, falls die Niederländer wieder aussteigen wollen. Die Stadt dürfte aber allenfalls an einer Sperrminorität interessiert sein und versuchen, die anderen Anteile zu veräußern.

Kein Hehl an seinen Ambitionen macht der Nachbar aus Oldenburg, der Regionalversorger EWE, der die anderen 49 Prozent hält. „Wir haben immer gesagt, dass wir sehr interessiert wären, wenn es eine Möglichkeit gibt, aufzustocken“, sagte ein Sprecher. Aber auch die Mannheimer MVV Energie, Energie Baden-Württemberg (EnBW) und die dänische Dong haben bereits ihre Fühler ausgestreckt.

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