Nikhil Meswani im Interview
Interview Reliance: "Indiens Modell wird die Welt verändern"

Nikhil Meswani, Executive Director von Reliance Industries, sprach im Handelsblatt-Interview über die globalen Ambitionen von Indiens größtem Privatkonzern, die Zukunft von Trevira, und darüber, wie Indien die Welt verändert. Die Fragen stellten Oliver Müller und Joachim Dorfs:

Wie hat es Reliance geschafft, in vier Jahrzehnten von null auf 23 Mrd. Dollar Umsatz zu kommen?

Wir akzeptieren niemals eine Niederlage. Wir haben dieses enorme Vertrauen, dass wir alles schaffen, was wir anpacken, und zwar aus eigener Kraft. Fabriken bauen wir von Anfang an im Weltmaßstab. So konnten wir uns in jedem neuen Geschäftsfeld schnell zur Nummer eins oder zwei in Indien vorkämpfen, obwohl wir immer als letzte eingestiegen sind. In der Petrochemie sind wir weltweit bereits Nummer fünf, bei Polyester Nummer eins. Reliance ist ein blutjunges Unternehmen, das so schnell es nur kann in die Zukunft galoppiert. Und dabei hilft uns Indiens explosives Wachstum.

Das liegt aber weiterhin unter dem Chinas. Wird Indien aufholen?

Indiens Entwicklungsmodell folgt nicht dem traditionellen Rezept von Auslandsinvestitionen und Exporten, aber es wird die Welt verändern. Wie leben in einem Zeitalter, in dem statt Kapital Wissen über die Zukunft von Nationen entscheidet. Das ist Indiens größte Stärke. 300 000 Universitätsabgänger in den Naturwissenschaften pro Jahr bilden ein ideales Arbeitsreservoir für eine Wissensgesellschaft. Und das sind neue Inder. Sie sind anders als ihre Elterngeneration. Sie wollen ein besseres Leben und sind bereit, hart dafür zu arbeiten. Außerdem machen sie Druck auf nötige politische Reformen.

Dieser Optimismus mag für Dienstleistungen gelten. Aber kann Indien im Industriebereich gegen China bestehen?

Indien ist dabei, eine glaubwürdige Alternative zu China zu werden. Viele westlichen Firmen wollen nicht alle Waren aus der Volksrepublik beziehen. Das ist ihnen zu riskant. Damit werden Branchen wie Textilien zu wichtigen Bezugsmärkten. Indische Unternehmen denken überhaupt erst seit ein paar Jahren ernsthaft an Exporte. Und schon gibt es jede Menge Vorzeigefirmen, wie Bharat Forge, Mahindra und Tata Motors im Autobereich oder Ranbaxy bei Pharma. Wir haben viel später als China mit der Marktwirtschaft begonnen und sind hintendran. Aber in Wissensindustrien haben wir einen riesen Vorsprung, und in anderen Bereichen holen wir auf. Ausgehen wird das Rennen wie die Geschichte vom Hasen und vom Igel.

Was macht Sie so sicher?

Zwei Drittel unserer Bevölkerung sind jünger als 40 Jahre. Indiens Demographie garantiert, dass sich das in den nächsten 20 Jahren nicht ändert. Im Rest der Welt sieht es ganz anders aus. Unsere Situation gleicht der Baby-Boomer-Zeit in den USA. Das sichert uns jahrzehntelanges starkes Wachstum.

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