Nissan-Tochter Datsun
Billigmarke im russischen Sturm

Nissan macht es sich nicht leicht: Die Billigmarke Datsun startet mitten in der Krise auf dem russischen Markt. Der Absatz bricht gerade weg, doch die Japaner wollen sich gegen alle Widerstände behaupten.
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GenfEuropa ist satt, das wissen alle. Auf den europäischen Straßen sind mittlerweile so viele Autos unterwegs, dass es keinen Experten gibt, der noch mit großen Absatzsprüngen rechnet. Wirkliches Wachstum gibt es derzeit nur in China, den USA – und den Schwellenländern. Doch insbesondere in den letztgenannten tun sich die großen Hersteller schwer. Ihre hochentwickelten Autos sind meist viel zu gut ausgerüstet und damit zu teuer, um gegen Tuk-Tuks und Zweiräder zu bestehen.

Es ist fünf Jahre her, dass in der Zentrale des französisch-japanischen Duos Renault/Nissan darum Pläne für eine neue Billigmarke geschmiedet wurden. Dass man dafür ausgerechnet den Markennamen Datsun wiederbelebte, war eine kleine Provokation für Autoliebhaber, immerhin wurden unter diesem Namen einst relative schöne Sportmodelle wie der 240Z produziert. Stattdessen fahren unter dem Datsun-Logo nun Billigautos wie der Go, der in Indien für umgerechnet 5100 Euro angeboten wird. Verkauft werden die neuen Einstiegsmodelle auch in Indien, Indonesien und Südafrika.

„Ramsch auf Rädern“ betitelte die „Welt am Sonntag“ die neue Nissan-Billigmarke schon noch vor dem Start. Es sind Schlagzeilen wie diese, die Autohersteller fürchten. Auch deswegen zögert man bei Volkswagen noch, das lange erwartete Billigauto an den Start zu bringen. Und tatsächlich steht Nissan/Renault wegen der Qualität der Billigtochter derzeit mächtig im Feuer – spätestens seit das indische Modell im NCAP-Crashtest ein desaströses Ergebnis einfuhr. Am Ende empfahlen die Tester sogar, das Auto vom Markt zu nehmen.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt verspricht Datsun-Chef Vincent Cobee Nachbesserungen. Man sei in „konstruktiven Gesprächen“ mit NCAP.  Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren. Denn die Billigmarke steht dieses Jahr vor ihrer Feuerprobe. Nicht nur in Indien, sondern auch im zweitwichtigsten Markt: Russland. Als die Pläne für die Billigmarke entworfen wurden, galt der russische Markt noch als Autowunderland mit zweistelligen Wachstumsraten.

Doch seit der Rubel im Tiefflug ist, spielt Russland verrückt. Von Januar bis Ende Februar haben die russischen Autohändler 32 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Kaum eine Marke kann sich diesem Abwärtstrend entziehen. Datsun-Chef Vincent Cobee will sich den Optimismus nicht nehmen lassen. „Wir bleiben ambitioniert“, betont er. Außerhalb der großen Metropolen Moskau und Sankt Petersburg sieht er noch viel Potential für Wachstum. Tatsächlich besitzen die Russen anteilig immer noch weniger Autos als in westlichen Industriestaaten. Und allein die große Fläche des Landes ist ein gutes Argument für den Autokauf.

Auf dem russischen Markt haben die Hersteller gerade die Wahl der Qual: Wer lokal produziert und es sich leisten kann, verkauft auch in Krisenzeiten weiter wie bisher. So gewinnt man Marktanteile, aber verliert Geld. Branchenriese Toyota  fährt diese Strategie oder auch die Koreaner von Hyundai und Kia. Andere versuchen die Verluste einzugrenzen, schließen vorübergehend die Händler, erhöhen die Preise massiv. Konkurrent Opel hat die Produktion in seinem russischen Werk in Sankt Petersburg sogar für einige Monate eingestellt.

Es ist eine Wette, deren Ausgang ungewiss ist. Wer sie gewinnt, hängt davon ab, wann der Markt wieder anspringt.

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