Nobiskrug
Werften-Retter aus der Wüste

Die Pleite der Nobiskrug-Werft im schleswig-holsteinischen Rendsburg schien unausweichlich. Doch nun will ein Scheich aus Abu Dhabi das angeschlagene Unternehmen retten, die traditionsreichen Trockendocks zur Renditeoase machen - und Yachten für die Superreichen fertigen.

RENDSBURG. Durch den feinen Nieselregen senkt sich der Hubschrauber sanft dem Boden entgegen, kurz vor dem Aufsetzen schießt der Abwind von den Rotorblättern das Wasser aus den Pfützen auf die Wartenden. Es ist 13.07 Uhr. Scheich Hamdan bin Zajed al-Nahjan, der sich aus der engen Kabine schält, hat Verspätung.

Lange haben sie ihn erwartet, die 430 Arbeiter der Nobiskrug-Werft. Und doch kommt der Scheich noch gerade rechtzeitig - der Mann, den sie hier als Retter feiern, der Mann, der vor wenigen Wochen die Firma fast komplett übernahm und der Traditionswerft nun wieder eine Zukunft geben soll.

Eigens für den hohen Besuch tragen einige Mitarbeiter frisch gewaschene Arbeitskleidung. Auf dem Rücken der Blaumänner prangt das Emblem der Nobiskrug, ein dem Dreizack von Neptun nachempfundener Spieß.

Susanne Wiegand, eine schlanke Mittdreißigerin in blauem Kostüm, gibt das Empfangskomitee. Auf Stöckelschuhen jagt die Chefin der Werft dem Hubschrauber entgegen, kaum dass die Rotoren zum Stillstand gekommen sind.

Nobiskrug, Scheich Hamdans neueste Errungenschaft, das sind zwei Trockendocks und zwei Slipanlagen, verteilt über 173 000 Quadratmetern. Für Deutschland sind die Rendsburger eine mittelgroße Werft, im weltweiten Vergleich ein Zwerg. Aber Nobiskrug ist auf ein lukratives Geschäft fokussiert, den Bau von Mega-Yachten. Pro Meter Schiff werden mindestens eine Million Euro fällig - eher mehr. Und allein in einem Dock stehen zwei Yachten für die Superreichen mit zusammen 128 Meter Länge vor der Fertigstellung. An drei anderen Booten wird gearbeitet.

Der Einstieg des Scheichs aus der Golfregion ist für die Norddeutschen ein Glücksgriff. Vor kurzem sah die Lage noch düster aus. In der Kasse der kleinen Werft war kein Geld mehr, der russisch kontrollierte Eigentümer Eagle River Capital konnte oder wollte kein Kapital mehr nachschießen. Die Rettungsgespräche mit Banken, Eagle River und dem Voreigner Thyssen-Krupp waren festgefahren. Die Parteien schoben sich bei der Diskussion über Bürgschaften den Schwarzen Peter gegenseitig zu.

Die Pleite der Traditionswerft schien unausweichlich. Damit drohte ein weiterer Schiffsbauer im Strudel der Krise in den Abgrund gerissen zu werden.

So wie sechs weitere deutsche Werften, die in den vergangenen Monaten den Weg zum Konkursrichter gehen mussten. Neben den beiden Wadan-Werften waren dies Cassens, SMG, SSW und Lindenau.

Seite 1:

Werften-Retter aus der Wüste

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%