"Noch keine Belebung der Autokonjunktur"
Neuer Hoffnungsträger im Hause Volkswagen

Europas größter Autohersteller Volkswagen rechnet frühestens zum Jahresende mit einer Belebung der Branchenkonjunktur.

Reuters WOLFSBURG. „Die kommt, wenn sie kommt, zur Jahreswende“, sagte VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder am Montag zur erstmaligen Präsentation des neuen Hoffnungsträgers Golf V vor Journalisten am Stammsitz in Wolfsburg. Pischetsrieder bekräftigte trotz der weltweit noch verhaltenen Nachfrage auf den Automobilmärkten, dass der VW-Konzern im Gesamtjahr 2003 gut fünf Mill. Fahrzeuge verkaufen will und damit etwas mehr als im vergangenen Jahr, als diese Marke leicht unterschritten wurde.

Die Hoffnungen der Wolfsburger ruhen vor allem auf der fünften Baureihe des Erfolgsmodells Golf. Nach dem Start der Produktion wohl im September sollen in den verbleibenden Monaten des Jahres noch 135 000 Einheiten von den Bändern laufen. Im kommenden Jahr wolle Volkswagen dann mehr als 600 000 Golf V absetzen, kündigte Pischetsrieder an. Dies wären etwa genauso viele Golf wie der Konzern für das laufende Jahr plant, in dem bis zum Marktstart der fünften Generation am 18. Oktober noch dessen Vorgänger verkauft wird - allerdings mit bereits sinkender Stückzahl.

Vom neuen Modell sollen 2004 zwei Drittel in Europa und davon wiederum die Hälfte in Deutschland verkauft werden. Pischetsrieder verwies darauf, dass das durchschnittliche Alter aller auf Deutschlands Straßen fahrenden Autos derzeit bei weit über sieben Jahre liege. „Ich hoffe, ich wünsche und ich glaube, dass der Golf diesen Durchschnitt wieder senken wird.“ Mehrere Branchenexperten erwarten bereits, dass die zahlreichen zur Markteinführung anstehenden Modelle auch anderer Hersteller vom kommenden Jahr an der Autobranche wieder neue Dynamik verleihen.

Der Golf ist nach Worten von Pischetsrieder für 15 % des Volkswagen-Umsatzes und fast die Hälfte des Ertrages der Marke VW gut. Mit mehr als 23 Mill. verkauften Modellen sei der Golf das erfolgreichste Modell der Welt, sagte der Konzernchef stolz. Der Golf V wird wie sein Vorgängermodell 15 220 € in der Basisversion kosten. Für Extras müssen die Kunden dann aber zum Teil deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Mit dem Golf soll es bei VW wieder aufwärts gehen

Vor allem mit dem neuen Golf-Modell will sich Volkswagen gegen die schwache Branchenkonjunktur stemmen. Ein Ende der zweijährigen Durststrecke bei Absatz und Gewinn im Konzern erwartet Pischetsrieder aber erst im Frühjahr, wenn ausreichend neue Golf-Modelle bei den Händlern stehen und Volkswagen zugleich den erhofften Rückenwind von der Konjunktur bekommt.

Für Pischetsrieder muss der Golf ein Erfolg werden. Denn seit dem Übergang des Vorstandsvorsitzes von Ferdinand Piech auf den 55 Jahre alten Bayer im April 2002 läuft es bei VW nicht mehr so rund. Das liegt zum einen an der allgemein schwachen Autokonjunktur, die vor allem Volumenhersteller wie VW trifft. Zudem drückten in der ersten Jahreshälfte 2003 aber auch hohe Kosten für die Entwicklung mehrerer neuer Modelle sowie der starke Euro-Wechselkurs kräftig den Gewinn.

Zur Jahresmitte war der operative Gewinn um gut die Hälfte auf 1,22 Mrd. € eingebrochen. Der Reingewinn sank binnen Jahresfrist sogar um fast 60 % auf 596 Mill. €. Allein der rasant gestiegene Wechselkurs des Euro zu Dollar und Yen schlug nach Konzernangaben mit 800 Mill. € negativ in der VW-Bilanz zu Buche. Auch drückten hohe Anlaufkosten für neue Modelle den Gewinn. Für das Gesamtjahr 2003 kündigte der VW-Vorstand bereits einen „deutlichen“ Rückgang des operativen Ergebnisses an. Das florierende Geschäft in China ist derzeit einziger Lichtblick bei Volkswagen. Analysten gehen aber davon aus, dass Volkswagen mit dem Start des neuen Golf mit besseren Absatzzahlen rechnen kann.

Von keinem Modell hängt der Erfolg von Volkswagen derart stark ab wie vom Golf. VW bereitete die für September zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt dann geplante Publikumspremiere des Golf V daher auch mit PR-Rummel wie nie vor. Selbst die Stadtväter in Wolfsburg ließen sich zu einem ungewöhnlichen Werbegag hinreißen: Am Montag wurde Wolfsburg vorübergehend in „Golfsburg“ umgetauft und der Anfangsbuchstabe „W an den Ortseingangsschildern mit einem „G“ überklebt. Die VW-Aktie notierte am Montagnachmittag mit 0,9 % im Minus bei 44,20 €, während der Deutsche Aktienindex zugleich gut ein Prozent verlor.

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