Noch keine Entscheidung über die milliardenschwere Steuerschuld – Minderheitsaktionäre erwägen Klage
Yukos-Krise weitet sich ins Ausland aus

Westliche Gläubiger und Investoren des angeschlagenen russischen Ölkonzerns Yukos zittern um ihr Geld. Während Dienstag Morgen etwas Hoffnung auf ein Überleben des durch Steuernachforderungen in Milliardenhöhe in Bedrängnis gebrachten Unternehmens aufkeimte und die Yukos-Aktien um fast 25 Prozent abhoben, stürzten sie am Nachmittag wieder massiv ab.

MOSKAU. Zuvor hatte das Finanzministerium dem Unternehmen einen Zahlungsaufschub in Aussicht gestellt. Allerdings hatte Vize-Finanzminister Sergej Schatalow von einer „theoretischen Möglichkeit“ gesprochen und hinzugefügt: „Um dies tun zu können, brauchen wir eine „politische Entscheidung“. Denn eine Stundung widerspreche dem vor zwei Jahren eingeschworenen Prinzip, Steuerzahlungen nicht mehr zu stunden. Zudem hatte Yukos-Finanzvorstand Bruce Misamore zuvor gesagt, Präsident Wladimir Putin verhindere Verhandlungen des Konzerns mit der Regierung. „Wir haben noch keine Antwort von Kreml und Regierung auf bekommen“, sagte ein Yukos-Sprecher.

Das Yukos-Management hatte angeboten, die Steuern zu zahlen, wenn dafür ein Zahlungsaufschub gewährt werde und das Einfrieren des Firmenvermögens aufgehoben werde. Dann werde der Konzern seine mit 4,7 Mrd. Dollar bewertete 35-prozentige Beteiligung am russischen Rivalen Sibneft verkaufen und versuchen, den bisherigen Mehrheitsaktionär Menatep um den inhaftierten Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowskij zum Abstoßen großer Teile ihrer Yukos-Papiere an dem Staat genehmere Teilhaber zu drängen. „Alles hängt jetzt von Putin ab“, so Misamore.

Der Finanzmanager wird aber inzwischen mit Yukos, Menatep und der Yukos-Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse Coopers in New York von Minderheitsaktionären verklagt. Die auf den Bermuda-Inseln angesiedelte Roxwell Holdings wirft dem Ölkonzern Betrug von Aktionären vor, die nicht auf die Risiken der von Yukos angewandten und jetzt vom Moskauer Gericht verurteilten Steuersparmodelle hingewiesen worden seien. Klagevertreter ist die US-amerikanische Kanzlei Lerach Coughlin Stoia & Ribbins, die auch die Sammelklage gegen den insolventen US-Energiekonzern Enron geführt hatte. Weitere Investoren behalten sich Klagen gegen die russische Regierung vor.

Derweil hoffen westliche Finanzhäuser weiter auf eine „Wunder-Rettung“, wie die russische Nachrichtenagentur RosBusinessConsulting kommentierte. Merrill Lynch hatte noch am Abend nach Bekanntwerden der Bankenforderungen (siehe Kasten) Yukos-Aktien von „halten“ auf „kaufen“ hochgestuft: „Entweder bleibt Yukos weiter Grund zur Sorge oder es platzt. Letzteres wird kaum passieren“, so die Investmentbank. Auch andere Anleger setzten auf das Szenario, dass Präsident Putin doch noch die Reißleine für den im freien Fall befindlichen Ölkonzern zieht und dem Modell des Yukos-Managements eines Eigentümerwechsels zustimmt: „Ein Yukos-Bankrott oder Unterbrechungen der russischen Ölproduktion sind nicht im Interesse der russischen Regierung“, hofft auch Bob Parker von Credit Suisse. Er rechne mit einer Intervention Putins in einer Woche, um die Insolvenz abzuwenden.

Demhingegen fürchtet die Moskauer Investmentbank United Financial Group (UFG), an der die Deutsche Bank mit 40 Prozent beteiligt ist, einen erzwungenen Ausverkauf der Yukos-Beteiligungen und die Reduzierung des bisher größten russischen Erdölkonzerns auf einen kleinen Ölförderer. Als schlechtestes Szenario nannte UFG allerdings auch einen Übergang des Konzerns an den Staat und senkte daraufhin ihre Empfehlung von „outperform“ auf „market perform“.

Positive Nachricht war für die Yukos-Partner am Abend, dass Misamore ankündigte, die von westlichen Banken in Verzug gestellten Milliarden-Kredite weiter bedienen zu wollen. Das Unternehmen verfüge über gut 1,3 Mrd. Dollar Barmittel. Die Aktien zogen daraufhin wieder um 7,5 Prozent an. Allerdings sagte er auch, dass die Steuerbehörde bereits am Donnerstag nach Ablauf der Zahlungsfrist für die 2,8 Mrd. Euro große 2000er-Steuernachforderung ein Insolvenzverfahren gegen Yukos einleiten könne: „Das kann jetzt sehr schnell gehen.“

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