Noch mehr Ärger um Theranos
Der Bluttest-Bluff

Die Vorwürfe gegen Theranos, den ehemaligen Shooting-Star aus dem Silicon Valley, werden immer wilder: Das Bluttest-Unternehmen soll insgeheim fremde Labor-Technologie gekauft und Investoren mit getürkten Demos betrogen haben.
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New YorkAlles nur ein Bluff? Theranos, das Unternehmen, das einst angetreten war, den Bluttest-Markt zu revolutionieren soll Kunden und Investoren im großen Rahmen betrogen haben. Nach einem Bericht des Wall Street Journals hat das Start-Up aus dem Silicon Valley mit einer Tochter-Gesellschaft heimlich kommerzielle Test-Technologie gekauft und benutzt, statt die eigene, angeblich revolutionäre Technologie zu verwenden.

Außerdem soll Theranon bei seinen Demo-Tests vor Investoren und Geschäftspartnern ebenfalls kommerzielle Technologien genutzt und diese als die eigene Wundertechnologie ausgegeben haben. Damit habe das Unternehmen die finanziellen Aussichten zu rosig dargestellt und die Anleger getäuscht, so der Vorwurf. Theranos weist die Vorwürfe, die auf den Zeugen-Aussagen von 22 ehemaligen Angestellten basieren, als einseitig zurück.

Für das gescheiterte Medizin-Technik-Unternehmen und seine Gründerin Elizabeth Holmes wiegen die jüngsten Vorwürfe schwer. Sie hatte das Unternehmen 2004 gegründet und innerhalb von zehn Jahren eines der wertvollsten Start-Up im Silicon Valley daraus geschaffen. Auf seinem Höhepunkt war Theranos im grauen Kapitalmarkt mit fast zehn Milliarden Dollar bewertet. Holmes selbst war zwischenzeitlich laut Forbes-Magazin mit geschätzt rund 4,75 Milliarden Dollar Privatvermögen die reichste „Self-Made-Frau der USA“. Heute wird ihr Nettovermögen mit Null angegeben. Mit einem kleinen Piekser in den Finger sollte die innovative Technologien zuverlässige günstige Bluttests liefern. Auch die Apotheken-Kette Walgreens gehörte zu den Kunden des Unternehmens.

Doch dann wurden immer mehr Probleme mit den Bluttests bekannt. Ergebnisse wurden angezweifelt und letztlich als fehlerhaft zurückgezogen. Kunden sprangen ab, Holmes wurde für zwei Jahre untersagt, Blutlabors zu führen. Die Wundertechnologie hat ihre Magie verloren.

Heute kämpft Theranos um seine Zukunft. Es will als Technologie-Unternehmen wiederauferstehen. Aber derzeit kämpft das Unternehmen vor allem mit den Investoren. Denn die fühlen sich in der Tat hinters Licht geführt. Und wenn die Vorwürfe des Wall Street Journals sich bewahrheiten, dann haben die Anleger wohl gute Chancen auf Schadenersatzansprüche.

Wieviel Angst Theranos vor den Klagen hat zeigt die Tatsache, dass das Unternehmen seinen Aktionären zuletzt einen ganz besonderen Deal angeboten hat: Wer nicht klagt, bekommt extra Aktien. Der Hedge-Fonds „Partner Fund Management“, der viel Geld mit Theranos verloren hat und zu den Klägern gehört, hat dagegen Beschwerde eingereicht.

Ein Gericht in Delaware hat das Angebot zuletzt gestoppt. Die endgültige Entscheidung, ob Theranos einen solchen Deal anbieten darf, steht noch aus.

Eins ist klar: Die juristischen Probleme werden größer und nicht kleiner. Und dafür gibt es keine Wundertechnologie.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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