Noch viel zu tun
Die A380 bleibt für Airbus ein Abenteuer

Chaos in der Fertigung, verschobene Auslieferungstermine, Manager im Visier der Börsenaufsicht: Die A380, das größte Passagierflugzeug der Welt, hat immer noch das Potenzial, seinen Hersteller Airbus in den Abgrund zu reißen. „Das Hochfahren der Serienproduktion ist eine Herausforderung, es liegt viel Arbeit vor uns“, sagt Airbus-Chef Tom Enders.

MÜNCHEN. Gerade einmal sechs von 198 bestellten Maschinen hat Airbus ausgeliefert, und noch immer hat die Übergabe einer neuen A380 den Charakter einer Mondlandung. Denn seitdem dem verhängnisvollen Frühjahr 2006, als das Desaster in der Endmontage öffentlich wurde, wird in Toulouse jedes einzelne Flugzeug per Hand verkabelt. Mit industrieller Fertigung hat das nichts zu tun, eher mit Kutschenbau zu Zeiten der französischen Revolution.

Schuld sind die 500 Kilometer langen Kabel in der Passagierkabine, die bis zu 800 Passagiere mit Luft, Licht und Multimediaprogrammen versorgen. Deutsche und französische Techniker arbeiteten bei der Planung der ersten 25 Maschinen mit unterschiedlichen Software-Programmen, so dass für diese „erste Welle“ der A380 kein brauchbarer Verkabelungsplan vorliegt. 2 000 zusätzliche Techniker aus Hamburg wurden in die Endmontage nach Toulouse beordert.

Wie die Ameisen kriechen sie nun durch die Riesenrümpfe. Erst wenn 25 Maschinen der ersten Wellte ausgeliefert sind, dürfen die deutschen „Strippenzieher“ nach Hause. Parallel fährt Airbus die „zweite Welle“ der Fertigung hoch. Die 26. Maschine, die Mitte 2009 in die Endmontage kommt, soll nach dem neuen Verkabelungsplan produziert werden. Dann will Airbus auch die Stückzahlen deutlich hochfahren. Statt zwölf Maschinen wie in diesem Jahr sollen es 2009 bereits 21 sein, 2010 dann „30 bis 40“. So genau weiß das bei Airbus im Moment niemand.

Denn auch eine einheitliche Software schützt Airbus vor weiteren Pannen nicht. „Wir haben die Komplexität der A380 unterschätzt“, sagt Airbus-Chef Tom Enders. Der Charme des Riesenjets liegt in der Raumgestaltung der beiden Passagierdecks, in denen sich die Innenarchitekten der Fluggesellschaften richtig austoben dürfen. Jeder A380-Kunde will die Maschine zum Flaggschiff der Flotte machen mit exklusiven Designelementen und Multimedia-Spielereien.

Individuelle Ausstattung und Abgrenzung von der Konkurrenz sind Wettbewerbsvorteile. „Eine verschobene Kaffeemaschine kann da schnell zu einem Riesenproblem werden“, klagt ein Airbus-Ingenieur. Als Verkaufsargument hat Airbus seinen A380-Kunden aber zugesichert, dass auch kurzfristige Änderungswünsche im Kabinenbereich machbar sind. Ob Airbus die Produktion beherrscht, wird sich also frühestens 2010 zeigen.

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