Noël Forgeard wird wegen Insiderhandel verhört
Polizei verhaftet Ex-Chef von EADS

Die französische Justiz hat ihre Ermittlungen in Sachen Insiderverdacht bei EADS vorangetrieben. Gestern nahm die Polizei den ehemaligen EADS-Chef Noël Forgeard vorläufig in Gewahrsam. Dies ist eine übliche Maßnahme, um Verhöre zu erleichtern, und kann maximal 48 Stunden dauern.

PARIS. Danach können die Polizisten Forgeard den Ermittlungsrichtern vorführen; diese entscheiden dann, ob sie gegen Forgeard ein Ermittlungsverfahren eröffnen. EADS wollte zu den Vorgängen keinen Kommentar abgeben.

Wegen des Insiderverdachts bei EADS laufen mehrere Verfahren: Die Börsenaufsicht AMF hatte ihre Ermittlungen in dem Fall bereits im April abgeschlossen. Daneben ermittelt die Justiz, parallel laufen Zivilklagen.

Die Börsenaufsicht beschuldigt 17 aktive und ehemalige Manager des EADS-Konzerns sowie die beiden Großaktionäre Daimler und Lagardère, die Finanzmärkte nicht rechtzeitig über die eigenen pessimistischen Geschäftsprognosen und die Probleme beim Bau der A380 und der A350 informiert zu haben. So hätten bereits im Juni 2005 die Beteiligten gewusst, dass die Gewinne „mittel- bis langfristig wahrscheinlich sinken“ würden. Ferner sei schon vor Veröffentlichung am 13. Juni 2006 klar gewesen, dass die A380 massive Verspätungen haben würde. Diesen Wissensvorsprung hätten sich die betroffenen Manager und die Großaktionäre zunutze gemacht, um Kasse zu machen.

Die AMF-Ermittler beschuldigen unter anderem Ex-EADS-Chef Forgeard, den Airbus-Chef Thomas Enders, seine Nummer zwei, Fabrice Bregier, und Stefan Zoller, Chef der EADS-Verteidigungssparte. Alle Beteiligten beteuern ihre Unschuld.

Neben der Börsenaufsicht AMF ermittelt auch die französische Justiz. Sie untersucht seit dem 20. November 2006 den Verdacht auf „Insiderhandel und Falschinformation der Märkte“. Auslöser war eine Anzeige der Aktionärsvereinigung Appac. Unklar ist derzeit, ob und wann die Polizei auch die anderen von der AMF beschuldigten Manager verhören wird. Beide Verfahren haben juristisch eine unterschiedliche Qualität. Bei der AMF wird demnächst der Sanktionsausschuss die Betroffenen anhören und dann über Geldstrafen befinden. Bei Insiderhandel beträgt die Höchststrafe 1,5 Mill. Euro oder das Zehnfache des durch den Insiderhandel erzielten Gewinns.

Die Ermittlungen der Justiz können indes in einem Strafverfahren münden und am Ende zu einer Verurteilung der Betroffenen zu Haftstrafen führen. Derzeit hat die Justiz aber noch gegen keinen der Betroffenen offiziell ein Ermittlungsverfahren eröffnet.

Selbst vor einer möglichen Verurteilung könnten die weiteren Ermittlungen der Justiz die Abläufe bei EADS stören. Sollte ein Ermittlungsverfahren gegen die Betroffenen eröffnet werden, ist es üblich, dass die Richter den Beteiligten den Kontakt untereinander untersagen. Das könnte in einem Extremszenario dazu führen, dass Airbus-Chef Enders nicht mehr mit seiner Nummer zwei Bregier reden darf.

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