Nokia sollen weitere Hersteller folgen: Infineon sucht neue Kunden

Nokia sollen weitere Hersteller folgen
Infineon sucht neue Kunden

Nachdem mit BenQ Mobile zuletzt der Hauptkunde von Infineon weggefallen ist, fand das Unternehmen nun mehr als gleichwertigen Ersatz: Weltmarktführer Nokia arbeitet in Zukunft mit Chips des Halbleiterherstellers. Dies soll jedoch lediglich der Anfang sein.

MÜNCHEN. Der Halbleiterhersteller Infineon rechnet sich gute Chancen aus, mit weiteren großen Handyherstellern ins Geschäft zu kommen. Vergangene Woche erst hatten die Münchener angekündigt, künftig Weltmarktführer Nokia zu beliefern. „Wir beweisen damit auch anderen potenziellen Kunden, dass wir technologisch ganz vorne sind“, sagte Hermann Eul dem Handelsblatt. Der für den Kommunikationsbereich zuständige Vorstand versprach, dass Infineon weiter „für gute Nachrichten sorgen wird“.

Letzten Mittwoch wurde bekannt, dass Nokia künftig eine Chip-Plattform von Infineon für seine Einstiegshandys verwendet. Damit ist es dem Unternehmen gelungen, in eine Domäne von Texas Instruments einzudringen. Infineon hat zwar auch bisher schon Komponenten an Nokia geliefert. Doch nun kaufen die Finnen erstmals ein komplettes System von Infineon ein, auf dem sie ihre Handys aufsetzen.

Für Infineon ist der Auftrag auch deshalb bedeutend, weil der Konzern nun längerfristig planen kann. „Nokia wählt seine Lieferanten sehr genau aus und bleibt ihnen dann meist lange treu“, sagte Eul. Die Analysten von Oppenheim Research schätzen, dass Infineon nächstes Jahr durch den Auftrag einen zusätzlichen Umsatz zwischen 200 Mill. Euro und 400 Mill. Euro erzielen wird. Damit würde das Unternehmen den Ausfall seines bisherigen Hauptkunden BenQ Mobile mehr als ausgleichen.

Die Pleite von BenQ Mobile, der ehemaligen Siemens-Handysparte, hatte Infineon vergangenen Herbst schwer getroffen. Auf einen Schlag musste der Konzern auf einen Umsatz von 150 Mill. Euro verzichten. Das war besonders bitter, weil die davon betroffene Kommunikationssparte tief in den roten Zahlen steckt.

Durch den Nokia-Auftrag sieht die Welt anders aus. Denn jetzt hat Infineon erstmals einen Handyhersteller als Hauptkunden, der wächst und mit einem Marktanteil von 36 Prozent das Handygeschäft klar anführt. BenQ Mobile und zuvor Siemens mussten in den vergangenen Jahren stets Marktanteile abgeben.

Analysten sehen den Auftrag denn auch als Meilenstein. „Infineon hat damit seine Wettbewerbsfähigkeit bewiesen und zugleich den Grundstein für weitere Erfolge bei Nokia gelegt“, urteilt die BHF-Bank. Infineon selbst hofft auf weiteres Geschäft mit den Finnen. „Es ist denkbar, dass Nokia unsere Plattform auch für andere, höherwertige Segmente nutzt“, sagt Eul.

Der Manager will die guten Nachrichten auf der heute beginnenden Mobilfunkmesse 3GSM in Barcelona nutzen, um noch mehr Kunden anzulocken (siehe Artikel unten). Denn Wachstum ist für Infineon wichtig. Vergangenes Jahr hat der Konzern seine Speichersparte unter dem Kunstnamen Qimonda an die Börse gebracht. Noch wird das Geschäft in der Infineon-Bilanz konsolidiert, weil der Konzern 86 Prozent der Aktien hält. Doch bald will sich Infineon-Chef Wolfgang Ziebart ganz aus Qimonda zurückziehen. Damit würde Infineon etwa die Hälfte des Umsatzes verlieren. Um dies auszugleichen, müssen die bestehenden Geschäftsfelder zulegen.

Zuletzt hat der Kommunikationsbereich von Infineon bei einem Quartalsumsatz von 236 Mill. Euro einen Verlust von 57 Mill. Euro eingefahren. Die Sparte soll allerdings bis Ende des Jahres die Gewinnschwelle erreichen. In der Vergangenheit hat Infineon bereits Panasonic und LG als neue Handykunden gewonnen. Doch die Umsätze reichten nicht aus, um das fehlende Geschäft von BenQ Mobile zu ersetzen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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