Norbert Reithofer im Interview
BMW-Vorstand über Leipzig: „Größter Vorteil ist Flexibilität“

Herr Reithofer, hätte BMW das Werk in Leipzig auch ohne 360 Mill. Euro öffentliche Förderung gebaut?

Die Strukturhilfe gleicht die Kostennachteile des Standorts Sachsen gegenüber ausländischen Standorten teilweise aus. Die Strukturhilfen sind aber lediglich ein Argument in der Gesamtbetrachtung. Der Zeithorizont dieser Verbesserung eines Standortnachteils ist im Vergleich zur Lebensdauer des neuen Werkes nur von mittelfristiger Natur. Zum Vergleich: Das Werk in München ist rund 80, das in Dingolfing um die 30 Jahre alt. In dieser Periode übertreffen die Erweiterungs- und Modernisierungsinvestitionen die Anfangsinvestitionen um ein Mehrfaches.

Welchen Kostenvorteil bringt das flexiblere Arbeitszeitmodell gegenüber den anderen deutschen Standorten?

Vorteile gegenüber den bayerischen Werken haben wir zum Beispiel durch geringere Tarifentgelte und die 38-Stunden-Woche in Sachsen. Den größten Vorteil bringt uns jedoch die hohe Flexibilität im Werk Leipzig: Wir verfügen dort von Beginn an über eine Grundflexibilität bei den Betriebslaufzeiten von 60 bis 140 Stunden pro Woche. Wir können in dieser Bandbreite flexibel „atmen“.

Wenn Sie so flexibel in der Produktion werden, brauchen Sie dann überhaupt noch Auftragsfertiger wie Magna Steyr in Graz, wo der X3 gebaut wird?

Flexibilität hört für mich nicht innerhalb unserer Werke auf. Manchmal benötigt man auch externe Atmungskapazitäten, um mit einem Produkt wie beispielsweise dem X3 sehr schnell auf den Markt zu kommen und sich damit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil zu schaffen.

Sie haben in Leipzig bewusst Arbeitnehmer, die älter als 50 Jahre alt sind, eingestellt. Das machen nicht viele Unternehmen.

Wenn man bei einem neuen Werk zum Beispiel nur 35-Jährige einstellt, hat man keine ausgewogene Altersstruktur, weil die heute 35-Jährigen in 15 Jahren dann alle zur selben Zeit 50 Jahre alt werden. Die von uns gewählte Altersstruktur sorgt durch altersbedingte Fluktuationen auch für weitere Beschäftigungseffekte weit über die Werksaufbauphase hinaus. Zudem können wir auf die Erfahrungen älterer Mitarbeiter nicht verzichten.

Die Fragen stellte Martin Buchenau.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%