Nordamerika-Geschäft
Thyssen-Krupp arbeitet an Plan B

Ungeachtet der Schlappe im Tauziehen um Dofasco will Thyssen-Krupp seine Position in Nordamerika ausbauen. Dabei hält sich der deutsche Industriekonzern mehrere Optionen offen. Die Analysten sind erleichtert.

HB DÜSSELDORF. Neben dem Neubau eines Stahlwerkes seien Kooperationen oder auch weiter Akquisitionen denkbar, sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz am Dienstag in Düsseldorf. Der Vorstand ziehe derzeit der Bau eigener Kapazitäten vor. Bis Mai will der Konzern über sein weiteres Vorgehen in nordamerikanischen Stahlmarkt entscheiden. Spätestens dann solle dem Aufsichtsrat eine Entscheidungsvorlage präsentiert werden, kündigte Schulz an. Kernelement sei der Ausbau einer starken Marktposition in Nordamerika.

In dem neuen Werk in Nordamerika würde Stahl weiterverarbeitet, der in dem im Bau befindlichen Stahlwerk in Brasilien produziert werden soll. Die Kosten dafür lägen deutlich unter drei Mrd. Euro, sagte Schulz. Drei Mrd. Euro ist etwa der Preis für Dofasco ohne seine Erzminen.

Mögliche neue Akquisitionsziele wollte Schulz nicht nennen. Er betonte jedoch auf Nachfrage, dass der kanadische Stahlhersteller Stelco für Thyssen-Krupp „keine Alternative“ zu Dofasco darstelle. Insgesamt wird sich nach Einschätzung von Thyssen-Krupp der weltweite Konsolidierungsprozess in der der Stahlindustrie fortsetzen. Arcelor werde durch die jetzt wahrscheinliche Übernahme von Dofasco erst einmal gestärkt und erhalte im Wettbewerb im NAFTA-Raum einen zeitlichen Vorsprung, räumte Schulz ein. Für Thyssen-Krupp werde nun zudem das Geschäft mit der japanischen Automobilindustrie schwieriger. Der Kundenstamm von Dofasco hätte hier Kooperationen vereinfacht, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Schulz wollte dennoch nicht von einer „Niederlage“ gegen Arcelor sprechen. Er sehe die jetzige Entwicklung „gelassen“, da sich auch bei Thyssen-Krupp in den vergangenen Jahren vermeintliche Niederlagen später als Gegenteil herausgestellt hätten, sagte er. Ein Beispiel hierfür sei unter anderem der gescheiterte Börsengang der Stahlsparte im Jahr 2000. Auf die Entwicklung der anderen Sparten von Thyssen-Krupp habe die Dofasco-Entscheidung auch keinerlei Einfluss.

Das Thyssen-Krupp-Management hatte am Montagabend sein Übernahmeangebot für den kandischen Stahlproduzent Dofasco fallen gelassen. Dofasco steht nur vor der Übernahme durch den Rivalen Arcelor, der zuletzt rund vier Mrd. Euro geboten hatte. Die Luxemburger hätten nun den Vorteil, schneller ihre Position in Nordamerika ausbauen zu können, sagte Schulz.

Thyssen-Krupp setzt mit 8,1 Mrd. Euro bereits jeden fünften Euro in Nordamerika um. Die Gesellschaft beschäftigt in den Vereinigten Staaten 26 000 Menschen. Kunden von Thyssen-Krupp sind vor allem Autokonzerne.

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