Norddeutsche Affinerie
Kovats steigt bei Europas größter Kupferhütte ein

Der Einstieg des österreichischen Investors Mirko Kovats bei der Norddeutschen Affinerie in Hamburg gibt Börsianern Rätsel auf. Plant Kovats selbst eine Komplett-Übernahme oder will er nach bewährter Manier sein Zehn-Prozent-Paket andere Investoren weiterreichen? Die Aktie von Europas größter Kupferhütte sprang am Freitag jedenfalls um knapp zwölf Prozent auf 33 Euro und war größter Gewinner im MDax.

DÜSSELDORF/WIEN. Das österreichische Industriekonglomerat A-Tec Industries, das Kovats mehrheitlich über eine private Stiftung kontrolliert, hatte am Morgen den Kauf eines Anteils von zehn Prozent an dem Hamburger Unternehmen bekannt gegeben. Kovats gilt als Spezialist für schnelle Beteiligungskäufe, der seine wahren Absichten lange geheim hält. Verkäufer ist der einzige NA-Großaktionär, die Lübecker Possehl-Gruppe. Angaben zum Kaufpreis machte die seit 2006 börsennotierte A-Tec nicht. Nach Schätzungen aus Finanzkreisen dürfte der Einstieg bei der NA 100 Mill. Euro gekostet haben. Auch der Kurs der A-Tec-Aktie legte kräftig zu.

Größere Aufmerksamkeit erlangte Kovats 2003, als er 20 Prozent der Anteile am österreichischen Anlagenbauer VA Technologie kaufte und sie ein Jahr später mit Gewinn an Siemens weiterreichte. Viele seiner Landsleute verübeln ihm das bis heute. Erst im Mai kaufte Kovats den seit Jahren kriselnden Ratinger Großanlagenbauer Lentjes von Gea – für einen symbolischen Euro. Kovats ließ offen, ob er seinen NA-Anteil weiter aufstockt. Er verstehe sich als langfristiger Investor, teilte er lediglich mit.

NA-Vorstandschef Werner Marnette reagierte gelassen auf den Wechsel des Großaktionärs. „Der Einstieg eines Finanzinvestors wäre kritischer gewesen“, sagte er dem Handelsblatt. Außerdem habe er von den Verkaufsabsichten Possehls gewusst. Dort sitzt Marnette im Aufsichtsrat. Umgekehrt ist der frühere Possehl-Chef Ernst J. Wortberg Vorsitzender des Aufsichtsrats der NA. Gut findet Marnette, dass sich Kovats in der Branche auskenne. A-Tec besitzt 91 Prozent an der Montanwerke Brixxleg, einem Kupferrecylcer in Tirol. In diesem Jahr kaufte A-Tec die französische Kupferhütte Gindre Duchanavy hinzu. Die Metall-Division dürfte daher zur größten innerhalb der A-Tec-Gruppe aufsteigen, die 2006 einen Umsatz von 1,6 Mrd. Euro erzielte. A-Tec ist außerdem in den Bereichen Antriebstechnik sowie Anlagen- und Maschinenbau tätig und beschäftigt weltweit 11 000 Mitarbeiter.

Weitere NA-Aktien müsste Kovats über die Börse erwerben. Nach Angaben des Hamburger Unternehmens liegt die Hälfte der Anteile bei institutionellen Anlegern, 40 Prozent sind in privater Hand.

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