Northstream-Einstieg
GDF Suez will Deutschland leise erobern

Der französische Versorger verhandelt mit der russischen Gazprom über den Einstieg in die Ostsee-Pipeline Northstream und verstärkte Gaseinkäufe. Gleichzeitig laufen Gespräche über den Verkauf der Anteile an dem ostdeutschen Gasgroßhändler Verbundnetz Gas an die Russen.
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PARIS. Der französische Versorger GDF Suez verhandelt mit der russischen Gazprom über den Verkauf des fünfprozentigen Anteils der Franzosen an dem ostdeutschen Gasgroßhändler Verbundnetz Gas (VNG). "Der Anteil ist für uns nicht strategisch, die Diskussionen mit Gazprom laufen", sagte GDF-Suez-Konzernchef Gérard Mestrallet in einem Gespräch mit der deutschen Presse und bestätigte damit einen Handelsblatt-Bericht (3. November). Der Deal hat strategische Bedeutung für Gazprom: Dank des Fünfprozentpaktes von GDF Suez erreichten die Russen zusammen mit Partner Wintershall die Sperrminorität bei VNG und gewönnen so an Einfluss.

Gleichzeitig verhandelt Mestrallet mit Gazprom über den Einstieg in die Ostsee-Pipeline Northstream und über verstärkte Gaseinkäufe. "Ohne zusätzliche Gaslieferungen aus Russland macht für uns eine Beteiligung an Northstream keinen Sinn", so Mestrallet. Die Gespräche über die Beteiligung an der Ostsee-Pipeline seien auf gutem Wege. Bisher bezieht GDF Suez rund 14 Prozent seines Gases aus Russland. "Der Anteil kann ausgebaut werden, ohne dass wir in eine zu starke Abhängigkeit geraten", so Mestrallet.

GDF Suez ist nach Umsatz gerechnet der zweitgrößte Energieversorger in Europa nach Eon. Die Franzosen sind der größte Gaslieferant in Europa und die Nummer fünf im Geschäft mit Strom. 2008 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 83 Mrd. Euro und einen Gewinn von 6,5 Mrd. Euro und beschäftigt weltweit 200 000 Menschen. Ferner kontrolliert der Konzern den Umweltdienstleister Suez Environnement (Wasser, Abfall).

GDF Suez sieht künftig nur noch freundliche Übernahmen vor

In Deutschland spielt der Gigant bisher aber nur eine Nebenrolle (drei Milliarden Euro Umsatz, 6 500 Mitarbeiter). So ist GDF Suez nur die Nummer sechs bei der Stromproduktion. Nach mehreren Flops bei Übernahmeversuchen von Stadtwerken will sich Mestrallet nun hierzulande auf organisches Wachstum konzentrieren. "Wir hatten bei der Zusammenarbeit mit Stadtwerken nicht die Entwicklung, die wir erhofft hatten." So scheiterte Anfang 2008 die bereits vereinbarte Übernahme von 49 Prozent der Leipziger Stadtwerke an einem negativen Votum bei einem Bürgerentscheid. "Die Stadtwerke bleiben offenbar lieber unter sich", konstatiert der GDF Suez-Chef.

Ganz will Mestrallet Zukäufen dennoch nicht abschwören; so zeigt er sich interessiert, seinen Anteil von 31,6 Prozent am Berliner Gasversorger Gasag zu erhöhen. "Wir verschließen da keine Türen", sagte der Konzernchef. Denn die beiden anderen Gasag-Aktionäre Vattenfall Europe (ebenfalls 31,6 Prozent Anteil) und die Eon-Tochter Thüga (36,8 Prozent) wollen ihre Anteile veräußern. In jedem Fall plane GDF Suez nur freundliche Übernahmen. "Wir sind nicht auf Eroberungszug", versicherte der Energiemanager.

Neues Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven geht 2012 ans Netz

In Deutschland sind die Franzosen jüngst einen großen Schritt weitergekommen dank eines Aktivtauschs mit Eon im Wert von zwei Milliarden Euro. Dabei bekommen die Franzosen insgesamt Strombezugsrechte über 1 700 Megawatt (MW) aus Eons konventionellen und nuklearen Kraftwerken. Im Gegenzug bekommt Eon die gleichen Kapazitäten verteilt auf die Märkte Belgien und Holland.

Derzeit baut GDF Suez für eine Milliarde Euro ein Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven. Es hat eine Kapazität von 800 MW und geht im Frühjahr 2012 ans Netz. Außerdem plant GDF Suez neue Gasspeicher. "Damit erhöhen wir unsere Flexibiliät", sagt Mestrallet; denn dank Gasspeicher können Versorger Gas am Markt einkaufen, wenn die Preise niedrig sind und sie später verkaufen, wenn die Preise gestiegen sind. Auf diese Weise wollen sich die Franzosen auf dem deutschen Markt auf Dauer etablieren und Vorbehalte abbauen, die offenbar Zukäufe verhindern.

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