Notverkauf
Visiocorp-Verkauf bis Ende Februar geplant

Der Verkauf des Stuttgarter Autospiegelherstellers soll bis spätestens Ende Februar unter Dach und Fach sein. Bei den Gesprächen mit dem indischen Autozulieferer Motherson Sumi Systems laufe derzeit alles nach Plan.

HB STUTTGART. Das sagte ein Visiocorp-Sprecher am Freitag in Stuttgart. Stellenabbau und Entlassungen seien derzeit bei den Verhandlungen kein Thema. Der weltgrößte Hersteller von Pkw-Spiegeln ist dem "Handelsblatt" zufolge mit rund 300 Millionen Euro verschuldet und kann seine Kredite kaum noch bedienen.

"Es gibt einen finanziellen Engpass, aber die Lage ist nicht kritisch", sagte der Sprecher. "Es gibt keine Zahlungsunfähigkeit." Neben der Schulden-Altlast hat auch die Krise in der Autoindustrie den Spiegelhersteller mit voller Wucht getroffen. "Wenn weniger Autos produziert werden, werden auch weniger Spiegel gebraucht", sagte der Sprecher. Der Auftragseingang sei in den vergangenen Monaten um rund 15 Prozent eingebrochen. Für 2008 gehe Visiocorp davon aus, dass rund 15 Prozent weniger Spiegel produziert wurden als im Vorjahr. Genaue Zahlen für das vergangenen Jahr liegen noch nicht vor.

Die Autohersteller hätten das Unternehmen in den vergangenen Monaten gestützt. "Sie bezahlen ihre Aufträge schneller als früher oder geben sogar Vorauszahlungen", sagte der Sprecher. Für viele Hersteller sei Visiocorp der wichtigste Spiegelhersteller. Zu den Kunden zählen alle deutschen Autobauer. Zu den wichtigsten Auftraggebern weltweit gehören die schwer angeschlagenen US-Hersteller Ford und GM sowie VW und Daimler. Insgesamt stellt Visiocorp pro Jahr mehrere Millionen Spiegel her.

Weltweit beschäftigt das Unternehmen 4 500 Mitarbeiter, rund 350 davon in Deutschland. Als Reaktion auf die Autokrise seien in den vergangenen Monaten bereits Leiharbeiter entlassen worden. Zahlreiche Festangestellten in Deutschland bauten derzeit Überstunden ab, sagte der Sprecher. Das Unternehmen hat ein Werk mit rund 120 Mitarbeitern in Wedemark bei Hannover, in Schwaikheim (Rems-Murr-Kreis) arbeiten rund 70 Menschen. In der Verwaltung und in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Stuttgart sind insgesamt 160 Beschäftigte.

Das Unternehmen, das bis vor etwa einem Jahr Schefenacker hieß, suche seit längerem einen strategischen Investor, sagte der Sprecher. "Motherson Sumi war von Beginn an unser Wunschpartner." Visiocorp arbeite bereits seit Jahren mit dem indischen Unternehmen zusammen.

Die beiden Zulieferer haben bereits ein gemeinsames Werk in Indien. Der Kaufpreis für das Unternehmen mit einem Umsatz von rund 600 Millionen Euro liegt laut "Handelsblatt" bei rund 50 Millionen Euro. Auch Firmengründer Alfred Schefenacker sei unter den Bietern gewesen. Ihm gehören noch 23 Prozent an Visiocorp.

Die übrigen 77 Prozent halten seit 2006 die Hedge-Fonds Blue Bay und Davidson Kempner. Der frühere Familienbetrieb stand damals kurz vor der Pleite. Im Zuge der Sanierung wurde die Zentrale des früheren Familienbetriebs von Schwaikheim nach Portchester in England verlagert worden.

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