Novartis gegen Pfizer
Der Thron des Pharma-Weltmeisters wackelt

Die Führungsrolle des amerikanischen Konzerns Pfizer scheint in der Pharmaindustrie auf den ersten Blick noch unangefochten. Doch die auslaufenden Patente dürften dem Pharmaunternehmen im nächsten Jahr zu schaffen machen - und Novartis schielt bereits auf den Thron. Der Zweikampf ist eröffnet.
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FRANKFURT. Die Übernahme von Wyeth im Jahr 2009 sicherte dem US-Konzern Pfizer einen Umsatzvorsprung von mehr als 15 Milliarden Dollar gegenüber dem nächstgrößten Konkurrenten im Arzneimittelgeschäft. Allerdings zeigt der Blick auf die organischen Wachstumsraten, dass der Thron wackelt. Denn klammert man die Akquisitionseffekte aus, schrumpft das Geschäft von Pfizer, und es dürfte 2011 wegen weiterer Patentabläufe eher noch stärker unter Druck geraten.

Die besten Aussichten, den US-Konzern in den nächsten Jahren zu überrunden, hat derzeit der bisherige Branchenfünfte Novartis. Der Baseler Konzern verfolgt ebenfalls eine ausgeprägte Akquisitionsstrategie, setzt dabei aber eher auf mittelgroße Zukäufe und eine breitere Diversifikation. Mit der Übernahme von Hexal und Chiron expandierte Novartis im vergangenen Jahrzehnt unter anderem im Generika- und Impfstoff-Geschäft. Bezieht man diese Sparten mit ein, rangiert Novartis auf Rang zwei der Pharmawelt. Einen zusätzlichen Schub gibt nun die 51 Milliarden Dollar teure Übernahme des Augenheilkunde-Konzerns Alcon.

Darüber hinaus will Novartis in den kommenden fünf Jahren eine halbe Milliarde Dollar in Russland investieren. Unter anderem ist eine pharmazeutische Serienproduktionsanlage in St. Petersburg geplant, der Bau soll 2011 beginnen.

Im Gegensatz zu Pfizer entwickelt sich Novartis auch organisch sehr solide. In den ersten neun Monaten 2010 etwa legten die Erlöse der Schweizer auf bereinigter Basis um mehr als zehn Prozent zu, während der Umsatz von Pfizer sank. Und als eines der wenigen Unternehmen in der Branche wächst Novartis auch im klassischen Pharmageschäft mit Originalmedikamenten kräftig. Die Schweizer profitieren von etlichen Neuentwicklungen, die in der jüngeren Vergangenheit zugelassen wurden und bereits 21 Prozent Umsatzanteil erreichen.

An der Börse liegt Novartis bereits vor Pfizer

Mit 19 Erstzulassungen für neue Wirksubstanzen und Impfstoffe waren die Novartis-Forscher im zurückliegenden Jahrzehnt mehr als doppelt so erfolgreich wie ihre Kollegen bei Pfizer. Dank neuer Medikamente wie Gilenya gegen Multiple Sklerose und Tasigna gegen Leukämie ist der Konzern nun in einer relativ günstigen Position, um Patentabläufe bei älteren Produkten aufzufangen. Die Börse hat den Wechsel schon vorweggenommen: Dort wird Novartis 15 Milliarden Dollar höher bewertet als Pfizer.

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