Novartis
Jimenez muss weiter umbauen

Mit einem Spartenumbau und mehr Investitionen will Novartis seine schwächelnde Augenheilsparte wieder auf Kurs bringen. Doch Konzernchef Jimenez muss noch andere Probleme im Schweizer Konzern lösen.

FrankfurtDer umfangreiche Geschäftseinheitentausch mit dem britischen Konzern Glaxo Smithkline (GSK) ist noch nicht richtig verdaut, da muss Novartis-Chef Joe Jimenez schon wieder umbauen: Weil das Geschäft mit der Augenheilkunde schwächelt, sollen eine Konzentration auf das Kerngeschäft und ein neuer Spartenchef  die wichtige Division der Schweizer wieder auf Kurs bringen.

Das sind aber nicht die einzigen Probleme: Weiterhin bremsen Umsatzeinbußen durch Patentabläufe und ein starker Dollar die Entwicklung des globalen Pharmakonzerns: Der operative Gewinn brach im vierten Quartal sogar um rund ein Viertel ein. Novartis blieb damit unter den Erwartungen der Börse, die Aktie büßte am Donnerstagmorgen mehr als zwei Prozent ein. Mit einer Zentralisierung der Produktionsaktivitäten und einer Bündelung verschiedener Entwicklungsfunktionen über die Divisionen hinweg will Novartis ab 2020 jährlich eine Milliarde Dollar einsparen.

Im laufenden Jahr wird das Wachstumsprogramm indes noch keine Wunder bewirken können: Umsatz und operativen Kernergebnis werden stagnieren, prognostiziert Novartis.

In der knapp zehn Milliarden Euro schweren Augenheilsparte Alcon, die rund ein Fünftel zum Novartis-Umsatz beisteuert, soll es künftig der ehemalige Hospira-Chef Mike Ball richten. Der US-Manager hat sich bei Hospira den Ruf erworben, der Unternehmen erfolgreich wieder auf Wachstum zu drehen, und bringt von seiner früheren Arbeitsgeber Allergan auch Know-how in der Augenheilkunde mit. Der Mitte vergangenen Jahre an die Spitze von Alcon geholte langjährige Novartis-Manager Jeff George wird das Unternehmen verlassen. Alcon soll nun aufgeteilt werden: Die Augenmedikamente werden in die Pharmasparte umgegliedert. Alcon selbst konzentriert sich auf das Kerngeschäft rund um Augenoperationen und künstliche Linsen. Zusätzliche Investitionen unter anderem im Marketing sollen den Absatz fördern.

Novartis hatte im vergangenen Jahr durch einen umfangreichen Geschäftseinheitentausch mit GSK sein Portfolio stark verändert. Unter anderem hatten die Schweizer ihre Impfstoffe und das Geschäft mit freiverkäuflichen Arzneimitteln abgegeben und von GSK das Portfolio an Krebsmedikamenten übernommen. Das Geschäft mit der Tiermedizin wiederum ging an Eli Lilly. In der neuen Struktur macht Novartis 2015 rund drei Fünftel seines Umsatzes von 49,4 Milliarden Dollar mit der Pharmasparte, jeweils ein Fünftel steuern Alcon und die Generikasparte Sandoz bei. Im Vergleich zum Vorjahr hatte Novartis bei den fortgeführten Geschäftsbereichen rund fünf Prozent an Umsatz eingebüßt.

Novartis bilanziert in Dollar: Ohne Währungseffekte gerechnet wäre der Konzern um fünf Prozent gewachsen. Der operative Kerngewinn, den Novartis als eine Steuerungsgröße des Unternehmen heranzieht und der viele Sondereffekte wie Integrations- und Restrukturierungskosten sowie Wertberichtigungen ausschließt, stieg um zehn Prozent auf 13,8 Milliarden Dollar. Der Reingewinn sank unter dem Strich um mehr als 57 Prozent, wobei auch Sondereffekte wie Abschreibungen auf das Onkologie-Portfolio von GSK eine Rolle spielten.

Mit einigen erfolgreichen Wachstumsprodukten (unter anderem das Multiple-Sklerose-Mittel Glivec und das Krebsmittel Tasigna) konnte Novartis bei den die Einbußen durch auslaufende Patente gegensteuern. Allerdings steht in diesem Jahr ein weiterer Patenablauf eines Topproduktes an: das Blutkrebsmittel Glivec, mit dem der Konzern zuletzt knapp 4,7 Milliarden Dollar erlöste. Neue vielversprechende Produkte wie das Herzmedikament Entresto werden allerdings gerade auf den Markt gebracht.

 

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