Novartis kauft AAA
Ein Milliardendeal gegen den Krebs

Der Pharmariese Novartis will für fast vier Milliarden Dollar einen Krebsdiagnostik-Spezialisten übernehmen. Der Deal ist eine Wette auf die Zukunft: Um weiter zu wachsen, brauchen die Schweizer dringend neue Ideen.
  • 0

Zürich, FrankfurtNovartis schlägt wieder zu: Der Schweizerische Pharmariese will das französische Onkologie-Unternehmen Advanced Accelerator Applications (AAA) übernehmen. Das Unternehmen, das an der US-Börse Nasdaq notiert, hat sich auf Nuklearmedizin spezialisiert. Die Schweizer bieten 41 Dollar je Aktie – damit würde AAA mit 3,9 Milliarden Dollar (rund 3,4 Milliarden Euro) bewertet.

Mit der Übernahme möchte Novartis das Geschäft mit Krebsmedikamenten weiter ausbauen. Einen Erfolg können die Basler gut gebrauchen, denn das Geschäft läuft eher durchwachsen. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem weitgehend stagnierenden Umsatz. Erst im kommenden Jahr soll Novartis wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren.

Dazu braucht es innovative Therapien. Denn nur wenn der Konzern neue Medikamente auf den Markt bringt, lassen sich die Umsatzverluste bei ehemaligen Blockbustern abfangen. Denn die werden von Generikaherstellern produziert, sobald die Patente dafür abgelaufen sind. Deshalb hoffen Aktionäre, dass der neue Konzernchef Vasant Narashimhan das innovative Pharmageschäft vorantreiben wird. Er übernimmt im Februar den Chefposten von Joe Jimenez.

Wie groß die Hoffnungen sind, die Novartis mit dem AAA-Deal verbindet, lässt sich an der Bewertung ablesen: Gerade einmal 119 Millionen Dollar Umsatz machte AAA zuletzt, und doch ist es Novartis 3,9 Milliarden Dollar wert.

AAA wurde 2002 von dem Forscher Stefona Buono am Kernforschungszentrum Cern gegründet. Heute beschäftigt die Firma mehr als 550 Mitarbeiter und ist in 13 Ländern tätig, darunter auch Deutschland. Mit dem Zukauf demonstriert Novartis seine Bereitschaft, das Pharmageschäft durch gezielte, ergänzende Zukäufe zu erweitern. In diesem Fall geht es um eine relativ seltene Form von Krebserkrankungen wie auch um eine relativ spezielle Technologie.

Bei den Medikamenten und Diagnostika von AAA handelt es sich um so genannte Radiopharmazeutika. Dabei werden Wirkmoleküle mit radioaktive Substanzen gekoppelt, die auf diese Weise gezielt zu den Krebszellen transportiert werden sollen. Bei dem Topprodukt von AAA, dem in Europa bereits zugelassenen Krebsmittel Lutathera, wird eine radioaktive Variante des Schwermetalls Lutetium eingesetzt.

Eine ähnliche Technik nutzt Bayer für sein Medikament Xofigo gegen Prostatakrebs. Dabei handelt es sich um ein Wirkmolekül, an das Radium-223 angehängt ist.

Seite 1:

Ein Milliardendeal gegen den Krebs

Seite 2:

Novartis verliert Marktanteile

Kommentare zu " Novartis kauft AAA: Ein Milliardendeal gegen den Krebs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%