Novartis plant offenbar größere Umstrukturierungen. Durch Personalabbau und eine Reorganisation des operativen Geschäfts will der Baseler Konzern Kosten senken und Entscheidungsstrukturen vereinfachen. Hintergrund ist eine akute Wachstumsdelle im Pharmageschäft.
FRANKFURT. Der Pharmakonzern Novartis
plant offenbar einen weiteren Personalabbau und eine Reorganisation seines operativen Geschäfts. Das machte Firmenchef Daniel Vasella in einem Interview mit dem Wall Street Journal deutlich. Details zu den Plänen wird Novartis
voraussichtlich gegen Ende der Woche bekannt geben.
Der Baseler Konzern reiht sich damit unter die zahlreichen Pharmakonzernen ein, die derzeit versuchen, ihre Organisation neu zu ordnen. Seit Ende 2005 haben die Topunternehmen der Branche bereits Sparprogramme auf den Weg gebracht, die zusammen auf den Abbau von rund 50 000 Arbeitsplätzen hinauslaufen. Zuletzt hatte der US-Pharmahersteller Bristol
-Myers
Squibb (BMS) den Abbau von rund einem Zehntel seiner Belegschaft.
Unternehmenskenner gehen davon aus, dass die Einschnitte bei Novartis
deutlich weniger dramatisch ausfallen werden als etwa bei BMS. Im Prinzip geht es um eine Initiative, die Vasella bereits bei Vorlage der letzten Quartalszahlen im Oktober angekündigt hatte. Damals gab der Baseler Pharmariese schon den Abbau von 1200 Stellen im amerikanischen Außendienst bekannt, was die laufenden Kosten um etwa 230 Mill. Dollar senken soll. Außerdem tauschten Pharmachef Thomas Ebeling und der Leiter der Sparte Consumer Healthcare Joe Jimenez ihre Positionen.
"Wir schauen uns den gesamten Konzern an mit dem Ziel, die Entscheidungs-Strukturen zu vereinfachen“, sagte Vasella im Oktober. "Außerdem sehen wir erhebliche Möglichkeiten zur Kostensenkung im Bereich Beschaffung und IT-Infrastruktur.“ Im Gespräch mit dem Wall Street Journal kündigte Vasella jetzt an, dass die einzelnen Sparten des Konzerns künftig nicht mehr als sechs Hierarchie-Stufen haben sollten. Derzeit ist Novartis
noch komplexer strukturiert. Vor allem die Pharmasparte gilt als sehr bürokratisch.
Aus den Ertragszahlen des Pharmariesen sind entsprechende Schwächen nur teilweise herauszulesen. Mit einem Pro-Kopf-Umsatz von 415 000 Dollar (2006) und einer operativen Umsatzrendite von zuletzt rund 29 Prozent in der Pharmasparte bewegt sich Novartis
über dem Branchenschnitt, wenn auch nicht auf dem Niveau von Konkurrenten wie Glaxo
-Smithkline, Roche
oder Merck & Co.![]()
Die operative Rendite des Gesamtkonzerns von zuletzt etwa 23 Prozent lässt sich mit reinrassigen Pharmaherstellern nur schwer vergleichen, da Novartis
nach wie vor relativ breit aufgestellt ist und eine Reihe anderer Aktivitäten mit traditionell schwächeren Margen betreibt. Dazu gehört insbesondere das Consumer Health Geschäft (rezeptfreie Medikamente, Kontaktlinsen) sowie die Generikatochter Sandoz.
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Bei der Reorganisation geht es jetzt zum einen darum, eine akute Wachstumsdelle im Pharmageschäft durch stärkere Kostendisziplin zu kompensieren. Ausgelöst wurden die Probleme unter anderem durch überraschende Generikakonkurrenz für mehrere Produkte und den Vermarktungsstopp für das Darmmedikament Zelnorm. Außerdem scheiterte der Konzern mit zwei wichtigen Neuentwicklungen im Zulassungsverfahren für den US-Markt. Allerdings gehen viele Experten davon aus, dass der Konzern die Schwächephase bereits in der zweiten Jahreshälfte 2008 wieder überwinden kann. "Dank einer breiten Produkt-Pipeline in fortgeschrittener Entwicklung erscheint die Pharmasparte gut gerüstet für eine Welle an Zulassungen ab 2009/10“, schreibt Karl Heinz Koch in einer Studie der Schweizer Bank Vontobel. "Das dürfte die Wachstumsraten mittelfristig wieder über den Marktdurchschnitt treiben.“
Zum anderen sucht derzeit fast die gesamte Branche nach neuen Strukturen, die sowohl den veränderten Rahmenbedingungen im Gesundheitssektor gerecht werden als auch die Schwächen im Innovationsprozess überwinden können. Die stetig rückläufige Zahl an neuen Produkten wird von Branchenexperten unter anderem darauf zurückgeführt, dass die Großkonzerne im Zuge der Branchenkonsolidierung zu bürokratische Strukturen aufbauten.
Pharmamanager wie Boehringer-Chef Alessandro Banchi warnen inzwischen davor, dass Pharma-Konzerne aber einer gewissen Größe nur noch schwer zu steuern seien. Die Branchenführer Glaxo
und Pfizer
versuchen solche Nachteile inzwischen mit einer gezielten Dezentralisierung ihrer Forschung und dem Aufbau spezieller Biotech-Forschungszentren zu überwinden.
Dessen ungeachtet diskutieren Analysten und Investoren in jüngerer Zeit verstärkt über Möglichkeit zum Verkauf von Randaktivitäten oder gar eine Aufspaltung von Pharmakonzernen. Solche Debatten dürften auch an Novartis
nicht spurlos vorübergehen.

