Novozymes
Merck verkauft seine Pflanzenschutzsparte

Weil sie nicht mehr zum Kerngeschäft passt, verkauft der Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA seine Pflanzenschutzsparte an den dänischen Enzymhersteller Novozymes für 275 Millionen Dollar. Wie beide Unternehmen am Montag bekanntgaben, erwarten sie einen Abschluss der Transaktion für den Anfang des kommenden Jahres.
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FRANKFURT. Die Crop-Bioscience-Sparte von Merck erforscht, entwickelt und vermarktet Technologien, die die Gesundheit von Pflanzen verbessern und zu mehr Ertrag führen. Das Geschäft der Merck-Sparte ist vor allem in Nord- und Südamerika angesiedelt. Der Bereich hat sich zwar in den vergangenen Jahren mit Wachstumsraten von durchschnittlich 15 Prozent sehr gut entwickelt, hatte aber wenig mit dem übrigen Geschäft von Merck zu tun.

Insbesondere, weil die Darmstädter ihre Chemiesparte nach dem Kauf des US-Laborausrüsters Millipore Anfang dieses Jahres strategisch neu ausgerichtet haben. "Mit der Akquisition von Millipore hat sich der strategische Fokus des Unternehmensbereichs Chemie bei Merck entscheidend in Richtung Life-Science-Branche verschoben", sagte Bernd Reckmann, Mitglied der Geschäftsführung des Dax-Konzerns. Das Crop-Bioscience-Geschäft konzentriere sich nur auf ein spezielles Segment innerhalb der Agrarindustrie und habe nur wenige Anknüpfungspunkte zu anderen Teilen von Merck.

Produkte fördern Pflanzenwuchs

Das dänische Biotechunternehmen Novozymes wiederum will mit der Crop-Bioscience-Sparte, die in diesem Jahr rund 60 Millionen Dollar Umsatz erzielen soll, das Standbein in der Agro-Biologie-Industrie ausbauen. Das Geschäft gilt als sehr profitabel. Nach Ansicht von Novozymes soll der Zukauf helfen, die langfristig anvisierte Ebit-Marge des Unternehmens von mehr als 20 Prozent zu erreichen. Vor diesem Hintergrund relativiert sich der Kaufpreis in Höhe des 4,6-fachen des erwarteten Umsatzes. Die Börse jedenfalls honorierte den Zukauf: Die Novozymes Aktie legte gestern leicht zu.

Novozymes stellt Enzyme für die industrielle Fertigung her. Nicht nur Waschmittelhersteller, sondern auch Biokraftstoffproduzenten gehören zu den Kunden. Denn Novozymes entwickelt auch Enzyme, mit deren Hilfe aus Pflanzen - und aus Pflanzenabfällen wie Stroh - Biosprit gewonnen werden kann.

Crop Bioscience passe strategisch hervorragend zu dem bestehenden Agro-Biologie-Geschäft von Novozymes, kommentierte der Novozymes-Vorstandschef Steen Riisgaard den Kauf. Die Produkpalette und die geografische Präsenz der Unternehmen ergänzten sich, die Forschungs- und Entwicklungspipeline sei sehr stark.

Der dänische Enzymhersteller Novozymes hat 2009 einen Umsatz von knapp 8,5 Milliarden Kronen (1,1 Milliarden Euro) und einen Gewinn von 1,2 Milliarden Kronen erwirtschaftet. Rund 650 Millionen Kronen Umsatz erzielte das Unternehmen im Geschäftsbereich Bio-Business, zu dem künftig auch das Crop-Bioscience-Geschäft von Merck gehören wird. Novozymes stieg 2007 in diesen Markt durch den Kauf der Firma Philom Bios in Kanada ein und verstärkte sich bereits im Sommer durch eine kleine Akquisition in Brasilien.

Weil die Geschäfte besser liefen als erwartet, hat das Unternehmen im Oktober seine Prognose für das laufende Jahr angehoben: Laut Management soll Novozymes nun um bis zu 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wachsen, der Vorsteuergewinn um bis zu 25 Prozent steigen.

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