Nukleartechnologie
Siemens gibt Sarkozy bei Atomdeals einen Korb

Der Mischkonzern Siemens will weiter aus der Partnerschaft mit Areva aussteigen. Der französische Staatschef Nicolas Sarkozy hatte zuvor öffentlich um die Münchner geworben. Umsonst.
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PARIS/MÜNCHEN/BERLIN. Deutschland und Frankreich gehen in der Atomtechnologie künftig getrennte Wege - daran ändert auch das Werben des französischen Staatschefs Nicolas Sarkozy nichts. Auf einer Pressekonferenz hatte dieser öffentlich sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass Siemens seinen Anteil von 34 Prozent am Kernkraftwerkskonstrukteur Areva NP zurück geben will. Ferner sei es "bedauerlich", dass Siemens und Areva damit nun "keine gemeinsamen Zukunftsprojekte" mehr hätten.

Die Äußerung Sarkozys lösten Spekulationen aus, dass Frankreich Siemens nun eine Beteiligung an der Holding von Areva auf dem Silbertablett präsentieren könnte. Areva braucht für sein Wachstum frisches Kapital, ausgewählte Industriepartner sollen in den Aktionärskreis aufgenommen werden. Mitsubishi gilt hierfür als Kandidat.

"Der Zug ist abgefahren"

Offiziell will Siemens die Äußerungen Sarkozys nicht kommentieren. "Der Zug ist abgefahren", heißt es aber unmissverständlich in Industriekreisen. Der Münchener Technologiekonzern wolle weiterhin seinen 34-prozentigen Anteil an Areva NP verkaufen und in Sachen Nuklear-Technik künftig mit der russischen Rosatom zusammenarbeiten.

In München wird darauf verwiesen, dass Siemens lange darauf gedrängt hatte, bei Areva mehr nur als der Junior-Partner zu sein. Doch dieses Anliegen habe Frankreichs Staatsspitze stets abgeblockt. Solange die Deutschen selbst aus der Nutzung der zivilen Atomtechnik aussteigen wollten, hätte Siemens keinerlei Legitimität, eine größere Rolle bei Areva zu verlangen, hieß es in Paris zur Begründung.

Siemens-Chef Peter Löscher zog darauf hin die Konsequenzen und kündigte Ende Januar an, die Verkaufsoption für seinen Anteil an Areva NP ziehen zu wollen. Diese Option gibt Siemens das Recht, die 34 Prozent am Kraftwerksbauer Areva NP der Holding Arevas anzudienen. Gleichzeitig kündigte Siemens an, beim Export von Kernkraftwerken künftig mit der russischen Rosatom zusammenzuarbeiten. Seit fast einem Jahr zanken sich Siemens und Areva nun darum, zu welchen Bedingungen die Franzosen den Siemens-Teil zurück nehmen müssen.

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