Nur ein Prozent der Firmen rettet sich in Planverfahren
In Deutschland gilt Insolvenz als Stigma

Wenn Insolvenzrechtler Achim Frank beschreibt, welches Ansehen überschuldete Unternehmer in Deutschland haben, wählt er drastische Bilder: „Schuldner wurden früher geteert und gefedert und dann für vogelfrei erklärt“, sagt der Spezialist für Insolvenzplanverfahren bei der Sozietät Schultze & Braun im badischen Achern.

DÜSSELDORF. Kein Wunder, dass deutsche Unternehmer auch heute noch den Gang zum Insolvenzgericht als Stigma empfinden, wie der Verband der Vereine Creditreform beobachtet. „Insolvenzverfahren werden in der öffentlichen Wahrnehmung meist mit dem Ende eines Unternehmens gleichgesetzt, nicht als Chance zur Rettung begriffen“, beklagt Anne Sahm, Rechtsanwältin bei Creditreform.

„Das deutsche Recht ist in erster Linie gläubigerorientiert“, bemängelt Insolvenzexperte Frank. Paragraph 1 der Insolvenzordnung (InsO) macht das deutlich: Insolvenzverfahren dienen dazu, „die Gläubiger eines Schuldners gemeinschaftlich zu befriedigen, indem das Vermögen des Schuldners verwertet und der Erlös verteilt wird“. Im Zentrum stehen Liquidation und Zerschlagung eines Unternehmens oder die übertragende Sanierung, also die Übertragung von Vermögen und Geschäftsbetrieb auf eine andere Gesellschaft.

Ganz anders die Mentalität in den USA. Beim US-Konkursrecht steht der Schutz des Schuldners im Vordergrund. „Chapter 11 sieht die Reorganisation des überschuldeten Unternehmens vor“, erläutert Frank, „also die Erhaltung des Unternehmens und den Schutz des Schuldners.“

Mit der neuen Insolvenzordnung von 1999 sei versucht worden, die bisherige deutsche Haltung aufzuweichen, lobt Insolvenzverwalter Frank. Angelehnt an Chapter 11 sieht sie vor, dass „in einem Insolvenzplan eine abweichende Regelung insbesondere zum Erhalt des Unternehmens getroffen“ werden kann. Im Fokus steht jetzt die Sanierung des angeschlagenen Unternehmens.

„Dahinter steht die Philosophie, dass ein Unternehmen als Ganzes mehr Wert ist als in Einzelteilen“, erklärt der Berliner Insolvenzverwalter Peter Leonhardt. Hinzu komme der Erhalt der Arbeitsplätze. Leonhardt hatte 2002 mit dem Büroartikelhersteller Herlitz das erste größere deutsche Verfahren mit Plansanierung beendet und damit Geschichte geschrieben.

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